Zeitspiegel

„Es geht nicht an, daß in einem Nachtwächterstaat der Nachtwächter auch noch einschläft " &„Wir müssen aus Erhard einen Alexander machen " „Es wird kein Spaß sein, in den nächsten Jahren FDP zu sein " „Hamburgischer Geist ist und bleibt ein lebensnotwendiger Faktor unter den Menschen, die von der rheinischen Residenz aus unserer zweiten deutschen Demokratie Führung und Gestalt geben " „Ich nehme an, daß ich auch in die Politik gehen werde " Südvietnams starker Mann, General Ky, versprach am vergangenen Montag, sich der Truppenbetreuung der Amerikaner anzunehmen. Er will sich für die Errichtung von Bordellen in abgelegenen Kampfgebieten einsetzen. Die pleasure gestattet werden und unter ständiger ärztlicher Kontrolle stehen. Vor Journalisten erklärte Ky: „Nach der Schlacht können die Truppen zu diesen Orten gehen, um sich ein wenig auszuruhen und zu amüsieren Die geplanten Einrichtungen haben ihr Vorbild: Auch die französische Armee setzte im Indochina Krieg fahrbare Bordelle ein, Die Stadtverwaltung von Bonn (rund 130 000 Einwohner) hat den Deutschen Städtetag um Auskünfte darüber gebeten, wie „größere Mitgliedstädte dem Problem des Dirnenwe„ens begegnen" und ob „Straßenprostitution das kleinere Übel" wäre oder ob die Anlage „fester Dirnenquartiere" zu bevorzugen sei. Bis jetzt ist das Dirnenproblem in der Bundeshauptstadt noch ein kleines Übel: Beim Bonner Gesundheitsamt sind nur einundzwanzig Prostituierte registriert, von denen nach Mitteilung der Stadtverwaltung etwa vierzehn öffentlich in Erscheinung treten, während die anderen Stammkunden haben. Sechs der Bonner Register Damen sind motorisiert. Als nicht registrierte Vertreterinnen des Gewerbes warten in den einschlägigen Straßen zwei Transvestiten auf Freier; einer als Blondine und einer als Brünette. Sie werden zwar von der Polizei offiziell geduldet, sind aber nicht als Dirnen eingetragen, da es sich laut Personalausweis de iure immer noch um Männer handelt. Zu einem neuen Getreidegeschäft kommt es möglicherweise zwischen Amerikanern und Sowjets. Die schlechte Witterung hat in der Sowjets umon wieder zu einer Mißernte geführt. Moskau hat bereits größere Mengen von Roggen und Mehl in Kanada, Frankreich, Australien und Argentinien aufgekauft. Das noch bestellende Weizendefizit wird von Experten auf drei Millionen Tonnen geschätzt. Das einzige Land, das Getreide in dieser Menge liefern könnte, ist Amerika.

Absagen mußte die Kirchliche Bruderschaft Nordbaden eine Tagung mit dem DDRTheologen Pfarrer Schönfeld in Heidelberg. Schönfeld, der Mitglied des Weißenseer Arbeitskreises ist, erhielt keine Ausreisegenehmigung, da — wie er seinen Gastgebern schrieb — „unser Staat alles vermeiden möchte, was Komplikationen schaffen könnte, also auch die Möglichkeit, daß ich wieder in die DDR abgeschoben würde, wie es den Jugendlichen in Oberhausen erging". Die Kirchliche Bruderschaft stellte dazu fest: „Die Befürchtung, daß es Pfarrer Schönfeld bei seinem Besuch in Nordbaden ebenso ergehen könnte, ist leider nicht unbegründet Sie erinnert daran, daß vor drei Jahren der Ostberliner Theologe Professor Hanfried Müller, der als Referent zu verschiedenen kirchlichen Veranstaltungen eingeladen worden war und seine kranke Matter besuchen wollte, in Braunschweig festgenommen und in die DDR abgeschoben wurde.

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Der sozialdemokratische „Ostspiegel" berichtete, das Ostberliner Zentralkomitee der KPD habe die „Deutsche Friedens Union" endgültig abgeschrieben. Der KPD Vorsitzende Max Reimann habe die Reise Ulbrichts nach Moskau genutzt, um den Trennungsstrich zur DFÜ zu ziehen. Reimann habe die DFÜ schon immer als lästige Konkurrenz der illegalen KPD betrachtet. Vor der Wahl las man es im „Ostspiegel" noch anders: Der Pressedienst bemühte sich um den Nachweis, daß die DFÜ eine KP Tamorganisation sei.

Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach bestätigt, daß Ludwig Erhard — nicht anders als sein Vorgänger Konrad Adenauer — vor allem von den deutschen Frauen auf den Kanzlerschild gehoben wurde. Nach dieser Befragung gehen von 100 Stimmen für die CDU 57 auf das Konto weiblicher Wähler.

Der Verband öffentlicher Verkehrsbetriebe kritisierte auf einer Sitzung in München, daß Frauen zwar ein Auto, nicht aber eine Straßenbahn oder einen Omnibus steuern dürften. Eine Arbeitsschutzverordnung aus dem Jahre 1940 untersagt djese Tätigkeit Frauen dann, wenn sie Arbeitnehmerinnen sind. Frauen sind nach Ansicht des Verbandes gesundheitlich riicht gefährdet und nicht überfordert, wie die probeweise eingeführte Beschäftigung als Straßenbahnfahrerin gezeigt habe. Wo Frauen schon eine Straßenbahn gesteuert hätten, wie nach dem Kriege in Duisburg, hätten die Städte nur gute Erfahrungen gemacht.

 
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