Unsere Smache
Wasser-Seefahrer
\T autae hießen im alten Rom die Seefahrer. Bei ^ ' uns heimisch geworden sind, die ursprungs- Terwandten Wörter Nautik und nautisch; auch der Argonauten erinnert man sich, die auf dem Schiff Argo ausfuhren, das Goldene Vlies zu gewinnen.
Als vor knapp zweihundert Jahren der erste bemannte Heißluftballon aufstieg (1783), hielt es die „Nauten" nicht länger auf dem Wasser, als Aeronauten erhoben sie sich in die Lüfte.
Bald danach geriet die Bezeichnung in Vergessenheit; Wieland, Goethe und Jean Paul schrieben „Luftschiffer".
Die „Nauten" gaben sich indes nicht geschlagen. Hatten ihnen der Luftschiflfer und dann der Flieger den Rang in unsrem Wortschatz abgeflogen, so mußten sie eben noch höher hinaus: Sie griffen als sowjetische Kosmonauten oder amerikanische Astronauten nach den Sternen.
Doch unlängst ist nun der „Naut" dorthin zurückgekehrt, wo er herkommt: zur See. Scott Carpenter, der im Mai 1962 mit Atlas VII dreinal die Erde umrundete, ist jetzt 61 Meter tief n den Pazifischen Ozean getaucht, wo er in einer Oberdruckkammer Forschungen anstellt. Ein neues Wort wartet darauf, ins Wörterbuch einzugehen: Aquanauten werden Scott und seine Gefährten genannt.
Von der vorchristlichen Seefahrt durch die Luft zum Aeronauten, hinauf in den Weltraum mit Kosmound Astronauten und zurück in Meerestiefen zum Aquanauten: Der nautische Kreis hat sich geschlossen. Eigentlich trabt hier ji ein weißer Schimmel. Weil aqua dem Lateiner bekanntlich Wasser und nauta Seefahrer bedeutet, wäre der „Aquanaut' 7 ein Wasser-Seefahrer, sollte man ihn beim Wortursprung nehmen.
Wn.
- Datum
- Quelle DIE ZEIT, 08.10.1965 Nr. 41
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