Konrad Adenauer und die CSU, an ihrer Spitze Strauß und Guttenberg, bliesen vorige Woche zum Sturmangriff. Der Altkanzler erwählte sich als Forum für sein Duell mit Schröder die „Bild“-Zeitung. In einem Interview malte er das von 1914 und 1939 vertraute Gespenst der „Einkreisung“ an die Wand:

„Den neuen Anfang in der Pflege und Verlebendigung des deutsch-französischen Vertrages kann aber nur leisten, wer kein unterkühltes Verhältnis zu unserem Nachbarvolk hat; die ersten Anzeichen einer Einkreisungspolitik gegen die Bundesrepublik zeigen sich bereits infolge des Verhaltens des Auswärtigen Amtes gegenüber Frankreich. Die Reise von Gromyko nach Paris Ende April dieses Jahres, die bevorstehende Reise Couve de Murvilles nach Moskau am 28. Oktober und die Teilnahme des Marschalls Malinowski an den österreichischen Manövern sind kein Zufall. Sie sind Anzeichen der Einkreisung Deutschlands durch Sowjetrußland und Frankreich.“

In einem anderen Interview (für „Welt am Sonntag“) setzte sich Adenauer auch dafür ein, daß Bundespräsident Lübke, dessen Abneigung gegen Schröder notorisch ist, seine Kompetenz bei der Ministerernennung voll ausnutzt.

Trotz des Störfeuers aus Rhöndorf und München will Bundeskanzler Erhard jedoch an Schröder festhalten. Allenfalls will er, den außenpolitischen Vorstellungen der CSU entgegenkommend, in der Ostpolitik noch vorsichtiger sein als bisher. Adenauers Unkenrufe nahm er nicht ernst: „Die Bundesregierung fühlt sich durch Frankreich nicht eingekreist.“

Isoliert fand sich hingegen am Wochenanfang der CSU-Vorsitzende Adenauer. Seine Fraktion hatte ihn im Stich gelassen.