Von Hilke Schlaeger

er baden-württembergische Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger hat sich seit 1959 für die Gründung neuer Hochschulen eingesetzt; in seinem Land sind die zwei Milliarden Mark, die – bei einem Gesamthaushalt von sieben Milliarden Mark – für den Ausbau von Bildungseinrichtungen ausgegeben werden, ein sichtbares Zeichen für die Sorge, die hier der Bildungsarbeit gewidmet wird.

Im Frühjahr 1964 hatte der Baden-Württembergische Landtag die Errichtung einer Universität in Konstanz beschlossen: Die Neugründung sollte ein Modell der Hochschul- und Studien reform werden. Jetzt legte der Gründungsausschuß seinen ersten Bericht vor – eine detaillierte Übersicht, wie eine Universität zu denken sei, in der „weniger der Ausbildungszweck als die Forschung im Vordergrund steht“.

Das Modell Konstanz zeichnet sich – nach den Vorstellungen seiner Gründer – durch drei Dinge aus, von denen keines verändert werden darf, ohne daß das ganze System verzerrt wird:

  • In der neuen Universität werden drei Fakultäten vertreten sein – eine Naturwissenschaftliche mit dem Schwerpunkt Biologie, eine Sozialwissenschaftliche und eine Philosophische;
  • für Forschung und Lehre werden über die Fakultätsgrenzen hinaus neue Organisationsformen geschaffen werden;
  • in Konstanz sollen nicht mehr als 3000 Studenten, die sich einem geregelten Studien- und Prüfungsgang zu unterziehen haben, zugelassen werden.

Die drei Fakultäten stehen – ihrem Gegenstand und ihrer methodischen Fragestellung nach – der Kooperation, auf die im Gründungsbericht Wert gelegt wird, besonders offen. Die moderne Biologie ist auf den mathematisch-physikalisch-chemischen Komplex genauso angewiesen wie auf den medizinischen und soziologisch-psychologischen; sie wird das Zentrum der neuen Universität darstellen.

In der Sozialwissenschaftlichen Fakultät wird das Gewicht auf empirischen Fragestellungen liegen, deren Ergebnisse an Erfahrungen gemessen werden können; dem entspricht, daß die formalwissenschaftliche Richtung der Statistik, soweit sie in die Mathematik hineinreicht, der Naturwissenschaftlichen Fakultät oder dem allen Fachgruppen gleichermaßen zugänglichen Rechenzentrum angeschlossen werden soll und die historischen Richtungen der Sozialwissenschaften in die Philosophische Fakultät eingebaut werden.