Es ist kein leichter Job, Sechstageprofi zu sein. Da gilt es Runde um Runde in die Pedale zu treten, den Buckel zu krümmen, wenn die Mannschaften zum nächtlichen Spurt ansetzen. Das Publikum, will die schnellen Jagden sehen und geht unbarmherzig mit denen ins Gericht, die nicht mithalten können. Dem härtesten Fahrer nur winkt der Beifall der Masse und das Geld der Veranstalter.

Rudi Altig und sein Partner Dieter Kemper waren die Stars und Sieger des 56. Berliner Sechstagerennens in der Deutschlandhalle, und sie werden die Stars sein, wenn in der Dortmunder Westfalenhalle am 21. Oktober die zweiten Six Days in dieser Saison eingeläutet werden.

Die Veranstalter von Sechstagerennen seien im allgemeinen recht gefühllose Geschäftsleute, wenn es um das Engagieren von Mannschaften und das Aushandeln von Gagen gehe, heißt es. Das Gefühl der Dankbarkeit sei ihnen fremd, liest man. Und dann wird lamentiert, daß Hans Junkermann, der langjährige Partner von Rudi Altig, in dieser Saison nicht mehr mitmacht. Hans Junkermanns Kurs, der in diesem Sommer eine schwache Tour de France gefahren war, ist an der Radrennbörse gefallen. Er gilt als „Füller“.

Aber Junkermann scheint nicht der einzige zu sein, dessen Wert fiel. Auch Kla’us Bugdahl, einst der Liebling des Berliner Sportpalastes, wird heute geringer notiert. Einst waren seine Gagen hoch, und die Veranstalter in Deutschland und in den Niederlanden rissen sich um ihn, den Publikumsmagneten, der als „schwarzer Teufel“ alles in Grund und Boden fuhr. In der Berliner Deutschlandhalle konnte Bugdahl nicht an den Start gehen. Ein Autounfall (Gehirnerschütterung und Schlüsselbeinbruch) zwang ihn ins Bett. Otto Weckerling, der sportliche Leiter der Westfalenhalle, der ihn schon für das Dortmunder Rennen eingeplant hatte, winkte jetzt ab. „Es sei denn, Klaus Bugdahl ist bereit, zu einer kleineren Gage als vorgesehen, mitzufahren. Ich gehe doch mit einem gerade genesenden Fahrer kein Risiko ein und bezahle ihm doch nicht seine Trainingsrunden“, sagte er. Weckerling kalkuliert erst und nennt dann seinen Preis.

Hilft da Wehklagen? Nützt es da, die Veranstalter daran zu erinnern, daß sie moralische Verpflichtungen gegenüber ihren alten Paradepferden hätten? Das Publikum will Stars siegen sehen. Der große Held von gestern ist bald vergessen. Schade? Leider? Die Radrennprofis sind harte Leute. Wenn die Stunde ihres Abtritts eingeläutet wird, haben sie ihr Geld schon längst nach Hause gefahren, und der Waschsalon, das Fahrradgeschäft oder die Tankstelle sind bereits eröffnet. H. K.