Funk

BAYERISCHER RUNDFUNK

Mit dem modischen Begriff „Studio“ pflegtman die Vorstellung einer Gelegenheit zum technischen Experiment oder zur Erörterung neuer Ideen zu verbinden, und das ist eine gute und klare Unterscheidung vom normalen Podium, von der Abonnentenbühne oder von der unproblematischen Normalsendung. Freilich liegt die spezielle Problematik einer solchen Einrichtung gerade in der experimentellen Aufgabe: Denn zur Not mag es noch immer genug neue technische oder formale Probierobjekte geben, neue Ideen hingegen sind dünner gesät.

Einen drastischen Beitrag zu dieser Feststellung lieferte das Hörspielstudio des Bayerischen Rundfunks mit der Ursendung einer Soloszene unter dem verheißungsvollen Titel „Die traurige Maske der jungen Puppe pi“. Die kokette Chinoiserie der Titulatur verspricht weiß Gott was für ein Geheimnis. Es ist aber jene „alte Geschichte“, von der Heinrich Heine zwar sagt, daß sie „doch immer neu bleibe“ und daß sie dem, „dem sie just passieret, das Herz entzwei breche“. Allein, in der Kunst gehört schon etwas mehr dazu, als was hier aufgeboten wurde, um die alte Geschichte in neuem Lichte zu zeigen.

Dem betrogenen Mädchen, das sich als weggeworfene Puppe fühlt und darüber vor dem Spiegel monologisiert, glaubt man wohl ihr gebrochenes Herz. Daß aber auch ihr Verstand ein wenig gelitten hat – daraus hätte die Psychologie mehr künstlerisches Kapital schlagen sollen.

Das Puppenthema, monomanisch zu Tode geritten, verliert schnell an Anziehungskraft; und wenn man schließlich zu hören bekommt: „Wer mich nach dir liebt, wird eine Leiche lieben – aber wird er’s merken?“ – dann verhüllt man sein Haupt und weint. Aber nicht über die Puppenleiche, sondern über die unverhoffte Wiederkehr der „Gartenlaube“. Wo bleiben da die Maßstäbe eines Studios? Walter Abendroth