Der Zusammenbruch der britisch-rhodesischen Verhandlungen in London hat über Nacht die Gefahr einer neuen Weltkrise heraufbeschworen Die UN-Vollversammlung forderte Großbritannien mit überwältigender Mehrheit auf, eine einseitige Unabhängigkeitserklärung der britischen Kolonie Rhodesien notfalls mit Gewalt zu verhindern Premierminister Wilson befürchtet „eine Kettenreaktion“, deren Ende niemand absehen könnte.

Afrikanische Nationalistenführer wollen einen blutigen Guerilla-Krieg gegen die weißen Siedler in Rhodesien eröffnen, sobald das „Kabinett der Cowboys“ in Salisbury die Unabhängigkeit proklamieren sollte, ohne vorher den 3,4 Millionen Farbigen des Landes ein größeres Mitspracherecht zu garantieren.

Das Labour-Kabinett Wilson würde im Ernstfall zunächst benüht sein, einen Krieg zwischen englischen Soldaten und englischen Farmern zu verhüten. Mit Unterstützung der USA, der Sowjetunion, des Commonwealth und der afro-asiatischen Staaten würde es jedoch den Abfall der Kolonie mit wirtschaftlichen und diplomatischen Sanktionen beantworten, um die rebellischen Siedler auf die Knie zu zwingen.

  • Rhodesien würde seine Hauptexportgüter – Tabak, Kohle, Gold, Kupfer, Zucker und Fleisch – nicht mehr innerhalb des Commonwealth absetzen können, deren Länder im bisher dank Schutzzöllen einen sicheren Markt garantierten.
  • Die Sterling-Reserven würden eingefroren.
  • Rhodesische Pässe würden im Ausland nicht mehr anerkannt.
  • Das nördliche Nachbarland Sambia, das 70 Prozent der rhodesischen Industrieprodukte abnimmt, würde eventuell einen Handelsboykott verhängen.

Allerdings kann sich Rhodesien gegen solche Sanktionen auf verschiedene Weise wehren.

1. kann es sich auf finanzielle Hilfe seiner Verbündeten Südafrika und Portugal stützen, bis neue Absatzmärkte gefunden sind,

2. kann es Sambia unter wirtschaftlichen Druck setzen. Die bedeutende Kupferindustrie in Sambia ist abhängig von den Kohlen-, Erdöl- und Stromlieferungen aus Rhodesien. Die Regierung in Salisbury könnte, allerdings unter Bruch internationaler Verträge, die Eisenbahnlinien unterbrechen und das Kraftwerk des gemeinsamen Kariba-Staudamms lahmlegen (siehe Karte).