Dieser Oktober dürfte den Managern der Allgäuer Alpenmilch AG, München, gewiß nicht golden anmuten. Nicht nur, daß sich der Markenwein „Goldener Oktober“ der Tochtergesellschaft St. Ursula GmbH in Bingen trotz hoher Werbeausgaben nach wie vor nicht so gut verkauft, wie es die Marketing-Strategen des Konzerns erwartet hatten, auch bei der Kondensmilch Bärenmarke, die am Gesamtumsatz des Jahres 1964 von knapp 326 Millionen Mark mit annähernd 80 Prozent beteiligt gewesen ist, deutet sich eine gewise Stagnation an. Die Konkurrenz der billigeren Sorten wird spürbar. Vor allem aber macht sich das angesehene Unternehmen, das in den letzten Jahren durch beachtliche Zuwachsraten, „fette“ Erträge und die mehrmalige Ausgabe von Gratisaktien die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich gelenkt hat, über die Geschäfte ihrer (nur als Vertriebsgesellschaft fungierenden) Tochter Alete Pharmazeutische Produkte GmbH Sorgen.

Die Marke Alete dürfte am ausgewiesenen Gesamtumsatz der produzierenden Muttergesellschaft im letzten Jahr mit gut 60 bis 65 Millionen Mark beteiligt gewesen sein. Davon entfallen knapp 50 Prozent auf Säuglings-Milchnahrung (einschließlich des neuen Alete flüssig), bei denen Alete nach Berechnungen von Fachleuten etwa einen Marktanteil von 22 Prozent hat. Das Schwergewicht liegt bei der Baby-Beikost auf Gemüse- und Fleischbasis.

Während vor wenigen Jahren diesen Produkten noch die besten Zukunftschancen vorausgesagt worden waren, haben sich zumindest 1964 die Erwartungen der Hersteller nicht erfüllt. Wenn man davon ausgeht, daß zuletzt rund 125 Millionen Gläser solcher „Baby Foods“ jährlich in der Bundesrepublik abgesetzt wurden (Einzelhandelsverkaufswert im Schnitt eine Mark), so kommt Alete bei einem zuverlässig geschätzten Marktanteil von 37 Prozent (nach dem Spitzenreiter Hipp mit gut 50 Prozent) auf einen Fabrikationsumsatz von 32 bis 35 Millionen Mark.

Alete ist jedoch im Gegensatz zu der Konkurrenz Hipp, die sich auf Apotheken und Drogerien konzentriert, seit einigen Jahren zweigleisig vorgegangen: man wollte den Markt auch über den Lebensmittelhandel bearbeiten, der durch die Muttergesellschaft direkt beliefert wird, während die Alete GmbH weiter allein den Fachhandel betreute.

Mit diesem Entschluß ist Alete jedoch nicht ganz glücklich geworden. Die umstrittene Konzeption dürfte nicht zuletzt der Grund für das Ausscheiden des Alete-Geschäftsführers und Alpenmilch-Vorstandsmitglied Dr. Ludwig H. Dahl gewesen sein. Der Umsatz über den Lebensmittelhandel erreichte im vergangenen Jahr zwar mit 30 Millionen Mark fast das Zehnfache des Absatzes über Drogerien und Apotheken, die über den zweiten Vertriebsweg des Unternehmens sehr verärgert waren. Allerdings wird es sich kaum nachweisen lassen, daß diese Verärgerung mit daran Schuld war, daß das gesteckte Ziel nicht ereicht wurde. Offiziell wurde das aufsehenerregende Ausscheiden Dahls mit einer Umorganisation innerhalb der Firmengruppe begründet. g. p.