Wilhelm Röpke: Fronten der Freiheit. Seewald Verlag, Stuttgart. 280 Seiten. Paperback 12,80 DM

Der hervorragendste Prophet des Neoliberalismus wird in diesem Buche als einer der hervorragendsten Schriftsteller unserer Zeit bestätigt. Es faßt Auszüge aus Aufsätzen und Reden von Röpke zusammen, die er früher geschrieben oder gehalten hat und die man zum großen Teil schon kannte. Aber man liest sie mit unvermindertem Genuß, und man fügt dem Bilde von Röpke mit Vergnügen die Züge hinzu, die man aus den bisher unbekannten Aufsätzen gewinnt.

Wenn ein Mann mit überragenden Einsichten ein lebendiges Gewissen vereint, so macht er uns immer nachdenklich, auch wenn man nicht mit allen seinen Schlüssen übereinstimmt. Eine so ausgeprägte Persönlichkeit wie Röpke kann nicht nur Beifall finden. So gehört es zu den bewunderungswürdigen Eigenschaften von Röpke, daß er sich in seinen Auseinandersetzungen nie auf die Wirtschaft beschränkt hat. Die Idee der Freiheit, die durch moralische Verantwortung gezügelt wird, muß auch das staatliche Leben durchglühen, das sieht Röpke sehr genau. Damit erklärt sich auch seine tiefe und sympathische Feindschaft gegen den Kommunismus. Aber wenn er dann ausführt, daß Johnson Truppen in die Dominikanische Republik habe schicken müssen, um hier den Kommunismus zu bekämpfen, dann verweigert man ihm die Gefolgschaft. Man kann die Bürger der freien Welt nicht dadurch aufrütteln, daß man die Irrtümer des amerikanischen Geheimdienstes übernimmt.

Doch nicht nach solchen Schwächen darf man das Buch beurteilen. Es ist einer der wichtigsten Beiträge zur Ideengeschichte unserer Zeit. Daß Röpke so eindringlich und leicht verständlich formulieren kann, wird hoffentlich niemand dazu verleiten, den schweren Ernst zu übersehen, mit dem Röpke um die großen nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch sittlichen Entscheidungen ringt. A. E.