Von Carola Stern

Vor einigen Wochen erhielt eine Hausfrau in * Bergisch Gladbach einen Brief aus Kuba. „Verehrte Freundin“, so schrieb der Absender, „ich danke Gott, mit einem Menschen wie Sie Verbindung bekommen zu haben, mit einem Mitfühlenden, der in den Stunden der Verlassenheit ein Licht der Hoffnung entzündet in Menschen, deren Gedanken von Zweifel und Niedergeschlagenheit untergraben werden. Zwar ist meine Strafe lang, aber ich weiß nun, daß es einen Menschen gibt...“

Pedro Nigaglioni Nunez, von dem diese Zeilen stammen, ist ein 24jähriger Kubaner, der am Silvestertag des Jahres 1961 ohne Angaber von Gründen verhaftet und sechs Monate später wegen „Konspiration und Sabotage“ zu dreißig Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Als Zeugin gegen ihn trat eine aus den gleichen Gründen angeklagte Frau auf, die nach ihren Aussagen gegen den Studenten entlassen wurde. Beweismaterial wurde nicht vorgelegt; der Angeklagte hat alle gegen ihn erhobenen Anschuldigungen bestritten.

Seit seiner Verurteilung befindet sich Pedro N. Nunez in dem berüchtigten Gefängnis auf der kubanischen Isla de Pinos. Er hat Typhus gehabt, er leidet an Nieren- und Darmkrankheiten sowie an Störungen des zentralen Nervensystems. Nach dem Urteil des Gerichtes muß er noch 27 Jahre seiner Strafe verbüßen ...

In der Bundesrepublik wird vor allem das Schicksal politischer Gefangener in kommunistischen Staaten beklagt, mit Recht darauf verwiesen, daß es in der DDR immer noch weitaus mehr politische Häftlinge gibt als in anderen kommunistischen Ländern. Doch darf man darüber nicht vergessen, daß heute – 750 Jahre nach Erlaß der Magna Charta – nicht nur in kommunistischen, sondern auch in westlicher und in blockfreien Staaten Menschen lediglich deshalb der Freiheit beraubt werden, weil ihre politischen oder religiösen Auffassungen nicht denen der Regierung entsprechen.

Eine Studentengruppe an der Universität in Bonn hat sich zum Beispiel des Falles Eddison Zvobgo in Südrhodesien angenommen. Zur Verhaftung dieses Mannes kam es Anfang Mai 1964, weil er sich, von seinem Studium in den USA zurückgekehrt, der afrikanischen ZAPU-Partei angeschlossen hatte, deren Ziel die Abschaffung jenes raffinierten Zensus-Wahlverfahrens in Südrhodesien ist, durch das Premierminister Ian Smith bei den Parlamentswahlen im Mai dieses Jahres erreichte, daß 90 Prozent aller abgegebenen Stimmen von einer fast ausschließlich weißen Minderheit stammten, die nur 10 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Nach diesem Wahl verfahren muß jeder, der nur Grundschulkenntnisse besitzt, ein wöchentliches Einkommen von etwa 110 Mark nachweisen, um wählen zu können.

Um die Opposition gegen dieses Wahlsystem mundtot zu machen, errichtete die Regierung im Frühjahr 1964 ein großes Konzentrationslager und ließ über 1500 Personen verhaften. Als Rechtsgrundlage mußte ein Law and Order Maintenance Act herhalten, der es dem Justizminister gestattet, politisch unliebsame Personen auf unbestimmte Zeit ihrer Freiheit zu berauben.