Die indonesische Regierung hatte Nachrichtensperre verhängt. Niemand konnte sich eine rechte Vorstellung von dem Verlauf der Unruhen in dem Inselreich machen. Die einzige Informationsquelle: Radio Djakarta, eine Rundfunkstation, die auf der Frequenz 6045 Kilohertz die ersten spärlichen Meldungen verbreitete.

Einzelheiten über die Erdbeben in Chile erfuhr man von Radio Santiago de Chile; Näheres über die Anklagepunkte gegen die deutschen Spione in Ägypten verbreitete Radio Kairo, die Originalmeldungen über die rotchinesischen Kernwaffenversuche kamen von Radio Peking, und die ausführlichsten Berichte über Start und Landung der Gemini-Astronauten brachten die amerikanischen Rundfunkstationen.

Mancher Aktienbesitzer möchte rasch die New Yorker Börsenkurse erfahren, die Radio WRUL sendet. Viele sind an den verschlüsselten Wirtschaftsberichten, an medizinischen, technischen oder anderen Spezialprogrammen interessiert, die allenthalben von Kurzwellensendern zu hören sind.

Ein gewöhnlicher Radioapparat freilich taugt zum Empfang aller dieser Sendungen nicht. Dazu braucht man ein Spezialgerät, einen mit allerlei technischen Raffinessen ausgestatteten leistungsstarken Empfänger.

Mit einem solchen Apparat bummle ich seit ein paar Monaten durch die Frequenzbereiche der kurzen Wellen. Dort höre ich Nachrichten aus fernen Ländern, Schiffs- und Polizeifunkdienste, viele seltsame Geräusche und vor allem die Gespräche jener liebenswerten Leute, die der Zunft der Funkamateure angehören. „Hams“ nennen sich diese Weltbürger, die miteinander ihre radiotechnischen Erfahrungen austauschen und gelegentlich etwas small talk über das Wetter oder ihr persönliches Wohlergehen funken. Gewiß, ich verstehe einen großen Teil ihrer Probleme nicht, denn ich kann mir nichts unter „induktiver Anpassung“ oder einem „Pendelempfänger“ vorstellen, und die vielen Abkürzungen, die zu dem Vokabular jener Männer und Frauen gehören, sind mir fremd.

Dennoch kann ich der Versuchung oft nicht widerstehen, den Unterhaltungen dieser Hobbyisten zu lauschen, die sich um die Entwicklung der Radiotechnik sehr verdient gemacht haben. Im November 1923 waren es Kurzwellenamateure, die zum erstenmal per Funk den Atlantik überbrückten. Die Verbindung kam zwischen! dem Franzosen L. Deloy in Nizza und den amerikanischen Hams Fred Schnell und J. L. Reinartz in Connecticut zustande.

Inzwischen ist mancher Entfernungsrekord gefallen. Vor allem in der Zeit reger Sonnenfleckentätigkeit, wenn die Hochatmosphäre stark ionisiert und daher ein idealer „Spiegel“ für die sich gradlinig ausbreitenden Kurzwellen ist, lohnt der Versuch, große Distanzen zu überbrücken.