Eine Notlüge ist immer verzeihlich. Wer aber ohne Zwang die Wahrheit sagt, verdient keine Nachsicht. Karl Kraus

Falschmeldung

Am letzten Montag wußte Die Welt zu melden, der Prix Formentor sei „geplatzt“: Die an den beiden seit 1961 einmal im Jahr verliehenen Literaturpreisen (Formentor-Preis und Internationaler Verlegerpreis) beteiligten Verlage Rowohlt (Deutschland), Gallimard (Frankreich), Grove Press (USA) sowie ihre skandinavischen Verbündeten seien „ausgetreten“. Die Welt irrt; sie ist einem der zahlreichen Frankfurter Messegerüchte aufgesessen. Es ist wahr, daß innerhalb der Verlegerequipe – genauer: zwischen Gallimard und Grove Press – Spannungen (viel mehr persönlicher als sachlicher Art) bestehen, und zwar nicht erst seit der Frankfurter Messe. Sie sollen bis Anfang November endgültig geklärt sein. Die übrigen Verlage sehen der Aussprache mit Gelassenheit entgegen; sie erwarten, daß sich alles einrenkt und die Preise in der bisherigen Form – oder nur leicht modifiziert – weiter vergeben werden können.

Zurück zur Natur!

Eine Analyse der Fächer, die Lehramtskandidaten 1964 bei der ersten Staatsprüfung vertraten, hat, wie der nordrhein-westfälische Kultusminister Mikat mitteilte, „besorgniserregende“ Ergebnisse zutage gebracht: Die Zahl der Lehrbefähigungen, die in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern erworben werden, ist auffallend gering. Das Fach Biologie etwa, von dem der Minister sagt, es sei „mit hoher Stundenzahl im Stundenplan vertreten“, wollen nur 1,8 Prozent der Kandidaten lehren. Latein mit 19,7 Prozent sei überlaufen, nicht alle Kandidaten könnten eingesetzt werden.

Deutsche Literatur in der UdSSR

Ein Moskauer Verlag gibt jetzt eine kurze Literatur-Enzyklopädie heraus. Seit dreißig Jahren ein sensationelles Ereignis in der Sowjetunion. Dieses Universalnachschlagwerk wird sieben Bände umfassen und nach und nach auf dem Büchermarkt erscheinen. Was die deutschsprachige Literatur anbetrifft, so ist ihr mit zweihundert Artikeln in den ersten beiden Bänden ein großes Lob gesungen. Goethe, Heine, Hölderlin, Grimmelshausen und Hauptmann werden sehr ausführlich besprochen und dabei die Verdienste der DDR in literarischer Hinsicht betont. Unsere bundesprepublikanische Literatur repräsentieren antifaschistische Schriftsteller und Humanisten wie Heinrich Böll, Wolfgang Borchert, Christian Geißler, Siegfried Sommer. Mehr haben wir nicht aufzuweisen. Wirklich nicht?