Die mögliche Sonne

Von Fred Schmitz-Ohlstedt

Statistik und publizistischer Eifer schufen neuerlich die Voraussetzung, mit Papier und Bleistift den idealen österreichischen Wintersportplatz zu errechnen. Die „Reisenachrichten aus Österreich veröffentlichten Zahlenkolonnen von aneinandergereiht mehr als sechs Meter Länge, die erschöpfende Auskunft über Schnee und Sonnenschein geben. Nichts daran ist Blendwerk, alles exakte Wissenschaft, „ermittelt aus den von der Wiener Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik während 22 Jahren durchgeführten Messungen". So heißt es denn auch nicht vulgär, auf der Kanzelhöhe oder in St. Polten oder am Patscherkofel scheine die Sonne im Durchschnitt des Jänner soundsoviel Stunden — nein, da ist säuberlich unterteilt zwischen „örtlich möglicher" und „tatsächlich gemessener Sonnenscheindauer, berechnet m Prozenten von der örtlich möglichen". In der Rubrik „örtlich mögliche Sonnenscheindauer" nehmen im Januar der Sonnenblick mit 281 Stunden, die Kanzelhöhe (271), Schockt (269), Hafelekar (268) und Dfex ob Völkermart (264) die ersten fünf Plätze ein. Die „tatsachlich gemessene Sonnenscheindauer" beträgt, in derselben Reihenfolge, 40, 49, 43, 42 und 46 Prozent. Das bedeutet (abermals in derselben Reihenfolge): 112 4, 132 8, 115 7, 112 6 und 121 4 Stunden. Somit ändert sich also die Rangordnung: Der Sonnenblick fällt auf den fünften Platz zurück, die Kanzel rückt an die Spitze, dazwischen rangieren Diex ob Völkermart und Schmöckl.

Nun sucht der Ski Urlauber aber nicht nur Sonne, sondern auch Schnee. Her mit der zweiten Tabelle! In der Spalte „jährliche Andauer der Schneedecke in Tagen" stehen obenan: der (237) KaprunMooserboden (235), Qbertauern (215) und Innsbruck Patscherkofel (210). Die „maximale Höhe der Schneedecke", in derselben Reihenfolge: 572, 281, 267, 252 und 76 Zentimeter. Die Kanzel, Diex ob Völkermart und Schöckl sind in dieser Aufstellung leider unauffindbar. Begnügen wir uns also mit Annäherungswerten. Villach beispielsweise liegt nur einige Kilometer von der Kanzelhöhe entfernt: 8<> Schneetage im Jahresdurchschnitt, 54 Zentimeter maximale Höhe der Schneedecke. Andererseits liegt dieses Villach 1500 Meter tiefer als die Kanzel. Immerhin: Zwei ideale Wintersportplätze knstallisieren sich heraus: Sonnenblick (3106 Meter) mit 112 4 Sonnenstunden im Januar, 36l Tagen Schnee und einer Schneedecke von 552 Zentimeter, sowie Hafelekar (2265 Meter) mit 112 6 Stunden Sonne im Januar, 237 Tagen Schnee und einer Schneedecke von 281 Zentimetern.

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Freilich: Man wird sich erinnern, daß 1964 zu- Winterolympiade in Innsbruck der Schnee mit Lastwagen herbeigekarrt werden mußte. Bei ehern Erhebungszeitraum von 22 Jahren liegen einige Wochen ohne Sonne und Schnee auch in Österreich durchaus im Bereich der legalen A)weichungsquote.

 
  • Quelle DIE ZEIT, NaN.NaN.NaN Nr. 53
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