Winter in Griechenland: Heilige Gipfel und der Schnee

Griechenlands Touristengötter schicken sich an, über den Winter zu triumphieren und dem Verdienstausfall während der leidigen Regenzeit zwischen Oktober und März seine Schrecken zu rauben. Denn siehe: Wenn die gepriesenen Küsten der attischen Riviera sich in graue Regenwolken hüllen, bedecken sich die Gipfel der Berge mit dicken Schneepolstern, und der griechische Schnee, minder namhaft denn der alpine, ist darum noch lange nicht von minderer Qualität — kurzum: Die Griechen haben in ihrem eigenen Land den Winter entdeckt.

Griechenland ist die klassische Geburtsstätte des Sports überhaupt — mit den Olympischen, Delphischen, Isthmischen und Nemeischen Spielen. Aber zwei Sportarten fehlten: der Alpinismus und der Wintersport. Die Berge waren Wohnungen der Götter. Keines Sterblichen Fuß vermaß sich, sie zu betreten — außer zu kultischen Zwecken: um die Götter zu verehren, denen iran in der Höhe Tempel und Altäre errichtet hatte Die Experten des Touristenverbandes und des Hellenischen Alpinen Klubs zweifeln nicht, daß als Erfolg ihrer Bemühungen nun bald die Wintersportler mit Ski, Rodel und Bob erscheinen werden. Und am Ende sibt es ja sogar noch eine griechische Winter Olympiade.

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Der Pmdus, der Nordgriechenland wie ein mächtiges Rückgrat durchzieht, lädt Skisportler in seine scheinbar unzugängliche Wildnis zwischen den Meteoraklöstern und dem alpinen Darf fast unerschlossen. Aber Berghütten sind leichter zu bauen als komfortable Touristenherbergen. Der Alpine Klub in Athen gibt Auskunft über bereits errichtete Berghütten.

Das gleiche gilt vom Parnass über Delphi, der Heimat der Musen. Der Gipfel Likura ( 2500 Meter) ist auf direktem Wege über die schroffe Steilwand der Glanzfelsen hinter dem Tempelbezirk noch nicht bezwungen worden. Der Aufstieg bietet Schwierigkeiten des sechsten Grades. Der geheiligte Gipfel des Olymps ( fast 3000 Meter), mythische Wohnung des Zeus und der Götterfamilie, bleibt dem Massentourismus vorenthalten. Das Massiv ist sehr schwer zugänglich: Der Aufstieg, auf Ziegenpfaden, von dem kleinen Orte Lithochoron erfordert elf Stunden, ohne jede Übernachtutigsmöglichkeit. Außerdem hat man den Olymp zum Nationalpark erklärt und jedem touristischen Zugriff entzogen. Aber Lithöchoron in den Vorbergen, das heute ein einziges Hotelchen besitzt, ist eine große Zukunft sicher — wenn erst die Blütenträume des Touristenverbandes reifen Denn am Fuße des Götterberges, zwischen zu doppelten Nutzen. Der Golf von Saloniki ist von der Autostraße ebenso weit entfernt wie das Bergsiädtchen, und von Lithochoron hat man den allerprächtigsten Blick auf das gewaltige Olymp Massiv mit seinen schroffen, wolkenumflatterten Steilhängen. In der Regenzeit sind die Freuden des griechischen Winters an der Küste allerdings nicht ungetrübt und in der Höhe trotz Doppelaspekt nur einseitig — das aber garantiert: Auf den höchsten Bergen sind die Schneeverhältnisse von November bis Anfang März sicher. Hans von Hülsen

 
  • Quelle DIE ZEIT, NaN.NaN.NaN Nr. 53
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