Zu den erfolgreichsten Vertriebsgesellschaften für ausländische Investment-Anteile in der Bundesrepublik gehört die Investors Overseas Service Ltd (SA) in Genf. Verkauft werden von ihr in erster Linie Anteile des „Fund of Funds“. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Dachfonds, also um eine Einrichtung, die nicht direkt in Aktien oder festverzinslichen Papieren investiert, sondern ihrerseits wieder Anteile von Investment-Fonds erwirbt. Es spricht für die Tüchtigkeit seines Initiators, Bernhard Cornfeld, wenn sich das Fondsvermögen seit der Gründung des Fund of Funds im Oktober 1962 von 775 Millionen Dollar auf 301,4 Milliarden Dollar erhöht hat. Der Hauptanteil dieses Wachstums geht natürlich nicht auf das Konto der inzwischen eingetretenen Kurssteigerungen, sondern ist in erster Linie dem weitverzweigten Vertreternetz der IOS-Organisation zu verdanken. Immerhin betrugen die Steigerungen je Anteil seit der Gründung 78,3 Prozent, ein stolzer Satz aus der Sicht deutscher Anleger, weniger glanzvoll dagegen für amerikanische Augen, die noch bessere Ergebnisse beim Investment-Sparen kennen.

Bernhard Cornfeld, Chef der IOS, versteht sein Geschäft. Als er seiner Tätigkeit als Sozialbeamter überdrüssig wurde und das begreifliche Verlangen spürte, mehr Geld zu verdienen, absolvierte er bei der Investors Planning Corporation of America, New York, eine Lehrzeit. Investors Planning war damals die größte Organisation für den Verkauf sogenannter Investment-Sparpläne. Allein in der Stadt New York beschäftigte sie etwa 2000 hauptberufliche und nebenberufliche Vertreter. Als Cornfeld die Abschlußmethoden genügend studiert hatte, gründete er in Kanada seine eigenen Firmen: Investors Overseas Service und den Fund of Funds. Damit war er für seine Tätigkeit der strengen amerikanischen Gesetzesaufsicht ledig. Denn Dachfonds, wie der Fund of Funds, dürfen in den USA nicht vertrieben werden. In der Bundesrepublik können solche Fonds zwar nicht errichtet werden, aber ausländische Fonds dürfen solche Anteile hier ungehindert vertreiben.

Die Amerikaner haben das Verbot der Dachfonds erlassen, nachdem sich die enge Verflechtung der Investment-Gesellschaften untereinander während der Weltwirtschaftskrise 1929 als nachteilig erwiesen hatte. Seinerzeit mußte die Hälfte der bestehenden amerikanischen Investment-Gesellschaften liquidieren. Nach diesen Erfahrungen ist es verständlich, wenn die Amerikaner in bezug auf ihre Investment-Gesetzgebung äußerst vorsichtig geworden sind.

Das scheint auch einer der Gründe zu sein, warum Bernhard Cornfeld es sorgfältig vermied, seine Firmen in den USA zu verankern. Fund of Funds hat seinen Sitz in Toronto. Seine Anteile und Sparprogramme werden von Investors Overseas Service in Genf vertrieben. Verwaltet wird der Fund of Funds von der IOS Management Company Limited, Bahamas einer Tochtergesellschaft der IOS in Genf. Die kontenführenden Banken sowie die Treuhandbanken befinden sich in Kanada, in der Schweiz und in England.

Das Argument, diese Konstruktion biete den deutschen Anlegern des Fund of Funds nur einen mangelnden Rechtsschutz, will die IOS nicht gelten lassen. „Sie wurde gewählt“, so behauptet die IOS in der Zeitschrift „Das Wertpapier“, „um dem nichtamerikanischen Anleger möglichst viele Steuervorteile zu bringen. Vor allem der Sitz in Kanada bedeutet im Todesfalle eines Anlegers, daß die Erben nicht wie bei den amerikanischen Fonds von der rund 20 Prozent betragenden amerikanischen Erbschaftssteuer betroffen werden!“ Kein Zweifel, das ist ein wunder Punkt bei den „echten“ amerikanischen Fonds. Er läßt sich nur umgehen, wenn die US-Fonds-Anteile nicht von amerikanischen Banken, sondern außerhalb der USA verwahrt werden. Anteile amerikanischer Fonds, die ihr Besitzer in die Bundesrepublik gebracht hat, unterliegen natürlich „nur“ den Sätzen der deutschen Erbschaftsteuer, die natürlich auch dann fällig wird, wenn die Anteile in Kanada oder auf den Bahamas verwahrt werden, ihr Besitzer aber in der Bundesrepublik seinen steuerlichen Sitz hatte.

Sehr heikel, meine verehrten Leser, scheint mir ein anderes Verkaufsargument von IOS zu sein. In der Zeitschrift „Der Industrie- und Handelsvertreter“ teilt nämlich Dr. Bernhard Lemke von der IOS-Organisation den erstaunten Lesern mit, daß das aus dem Besitz von Fund-of-Funds-Anteilen fließende Einkommen keiner Kapitalertrag- oder Einkommensteuer unterliegt. „Es handelt sich bei diesem Einkommen nicht um Erträge im Sinne der Steuergesetze. Die vom Fonds erzielten Erträge werden nämlich gar nicht ausgeschüttet (Thesaurierungsfonds!), sondern für den Programminhaber kostenlos in Fondsanteilen angelegt. Die für die Zahlung der monatlich oder vierteljährlich vereinbarten Beträge erforderlichen Mittel werden vielmehr durch den Verkauf einer entsprechenden Anzahl von Fondsanteilen flüssig gemacht. Die Zahlungen sind also nichts anderes als eine Umwandlung von Wertpapiervermögen in Bargeld. Dieser Vorgang unterliegt nun aber keiner Steuer!“ – meint Dr. Lemke.

Nun zur Konstruktion des Fund of Funds selbst. Durch den Erwerb von Anteilen ausgesuchter amerikanischer Fonds will er wachsende Sicherheit durch weiteste Streuung und ein gesichertes Wachstum durch Beteiligung an den besten Fonds erreichen. Mir scheint, daß auf diese Weise die Risikostreuung übertrieben wird. Wer sich an einen „echten“ US-Fonds beteiligt, der etwa hundert Aktienkategorien enthält, streut sein Risiko schon ausgezeichnet. Und wer seine Ersparnisse noch breiter verteilen will, teilt seine Ersparnisse zwischen zwei erstklassigen Fonds auf. Ein Dachfonds ist nicht gerade billig.