P. S., Bonn

Bundespräsident Heinrich Lübke, der im Februar zu einer dreiwöchigen Afrika-Tournee aufbricht, darf vor allem in den Republiken Kamerun und Togo des Jubels von glücklichen Negern gewiß sein. Fast 2000 alte und uralte Farbige werden ihm für die Großzügigkeit der Bundesrepublik danken, die ihre treuen Helfer in den ehemaligen Kolonien nicht vergessen hat.

Bis zur Ankunft Lübkes in Kamerun und Togo werden frühere Diener des kaiserlichen Deutschland einen einmaligen Ehrensold von je 1000 Mark erhalten, der in afrikanischer Währung ausgezahlt wird. Seit drei Jahren enthält der Haushalt des Auswärtigen Amtes den Titel 963, dessen Einzelbeträge insgesamt 1 886 000 Mark ausmachen. Laut Etatvermerk ist die Summe für „noch lebende ehemalige Bedienstete des deutschen Reichs“ bestimmt, „denen während des Ersten Weltkrieges zeitweise kein Gehalt gezahlt werden konnte“.

Die Besoldung der Afrikaner in deutschen Schutzgebieten, die überwiegend als Askaris in der kaiserlichen Schutztruppe gedient hatten, stockte vor fünfzig Jahren, weil zeitweilig keine Reichsmark in die Kolonien überwiesen werden konnte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden zwar die überfälligen Bezüge zum größten Teil nachgezahlt, doch war dies in den inzwischen französischen Mandatsgebieten nicht möglich.

Als Kamerun und Togo 1960 ZU unabhängigen Republiken ausgerufen wurden, beschloß die Bundesregierung „aus außenpolitischen Gründen“, die farbigen Veteranen mit einer Erinnerungsgabe („Gratialzahlung“) von 1000 Mark zu bedenken. Zuerst wurden 50 000 Mark bewilligt, dann 336 000, dann 500 000 und schließlich im Bundeshaushalt für 1965 eine Million Mark.

In Togo ist die Verteilung bereits abgeschlossen, in Kamerun dagegen machte die Erfassung der greisen Soldempfänger größere Mühe. Vor einigen Monaten wurden dann 927 000 Mark nach Kamerun überwiesen, doch ergab sich, daß die Summe zu gering war. Immer mehr ehemalige Söldner kamen aus dem Busch und erinnerten sich ihrer Hilfsdienste für Kaiser und Reich. Da der Staatsbesuch Lübkes schon eine ausgemachte Sache war, zeigte sich die Bundesrepublik großzügig: Auf Wunsch des Auswärtigen Amtes, an das sich die Regierung von Kamerun gewandt hatte, werden weitere 170 000 Mark „kurzfristig“ bewilligt. Die Zustimmung des Haushaltsausschusses, der die zusätzliche Ausgabe noch genehmigen muß, ist gewiß.