Wer hätte es gedacht, daß sich aus Erhards Forderung, eine Stunde mehr zu arbeiten, und dem zweiten Vermögensbildungsgesetz ein wirtschaftlich und tarifpolitisch gleichermaßen bekömmlicher Kuchen backen läßt! Die Cornelius Stüssgen AG, ein großes Einzelhandelsunternehmen in Köln, hat es zuwege gebracht. Die zum 1. April fällige Verkürzung der tariflichen Arbeitzeit um eine Stunde findet statt und doch wird nicht weniger gearbeitet. Über 90 Prozent der Belegschaft haben einer wöchentlichen Überstunde zugestimmt, die das Unternehmen mit dem üppigen Satz von sechs Mark honoriert. Das gibt aufs Jahr just jene 312 Mark, die man mit beträchtlichem Nutzen nach dem Vermögensbildungsgesetz anlegen kann.

Die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen findet diese Regelung freilich nicht schön. Sie hält Betriebsvereinbarungen für problematisch, nach denen Überstunden zu einer ständigen Einrichtung gemacht werden können. Das mag formal sogar ein plausibler Einwand sein, betriebswirtschaftlich und gesamtwirtschaftlich überzeugt er allerdings nicht. Niemand wird bei Stüssgen – so die Verwaltung – gezwungen, der Betriebsvereinbarung beizutreten. Daß es dennoch die meisten Mitarbeiter tun, sollte der Gewerkschaft zu denken geben.

Den Gegnern des 312-Mark-Gesetzes in Bonn darf man schließlich empfehlen, dieses Beispiel der Vernunft sehr genau zu studieren. hf