Von Wolfgang J. Helbich

Es ist ein mehr als ehrgeiziges Unterfangen, das Bildungswesen der USA vom Kindergarten bis zur Promotion nebst seiner historischen Entwicklung in einem schmalen Band sinnvoll darstellen zu wollen. Versucht der Autor, außerdem noch Erwachsenenbildung und Negerfrage zu berücksichtigen, das Ganze in einen weiteren soziologisch – geographisch – ethnischen Rahmen zu stellen, auf die zeitgenössische amerikanische Kritik am Schulsystem einzugehen und den Stoff für die Bildungsdebatte in der Bundesrepublik aufzubereiten, so kann der Leser nur noch auf ein Wunder hoffen.

Hier tut er es vergeblich –

Georg Willers: „Das Bildungswesen der USA“ – Eine Gesamtdarstellung der Entwicklung bis zur Gegenwart; Ehrenwirth Verlag, München; 232 S., 19,80 DM.

Das Buch bietet rasche Orientierung über den äußeren Aufbau des amerikanischen Erziehungssystems, einen oberflächlichen Eindruck von der Bildungsdebatte in den USA, eine fibelartige Begriffserklärung für den Laien, stellenweise aufschlußreiche Einblicke in die Unterrichtspraxis der High School – und nicht viel mehr.

Ich bin überzeugt, daß für eine gründliche, sachverständige, kritische Untersuchung dieses Themas in der Bundesrepublik durchaus Bedarf vorliegt. Welche Lücke das Buch von Willers auch ausfüllen mag – diese ist es nicht.

Ignorierte man die Ansprüche der Verlagspropaganda und des Vorwortes, so ließe sich das Werk als ein durch etwas Literaturstudium angereicherter Bericht über eine „pädagogische Studienreise, die den Verfasser nach einer Fahrt durch den Panama-Kanal von Los Angeles aus kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten führte“, mit mildem Interesse und wenig Verdruß zur Kenntnis nehmen – wenn nicht ein doppeltes Mißgeschick passiert wäre.