„Eher ein Vermittler als ein Regierender“, spottete Ex-Präsident Juan Bosch unlängst über den dominikanischen Regierungschef Hector Garcia Godoy. Doch letzte Woche handelte dieser zum erstenmal, ohne danach zu fragen, ob es den beiden Bürgerkriegsparteien der Inselrepublik paßte. Kurzerhand verbannte er die Anführer der verfeindeten Lager auf Ehrenposten im Ausland.

Oberst Caamano, der im April die Marionettenregierung des Autohändlers Donald Reid Cabral gestürzt und sich monatelang mit seinen „Konstitutionalisten“ in der City von Santo Domingo verschanzt hatte, wurde als Militärattache nach London, sein Gegenspieler, Verteidigungsminister Commodore Rivera, – dessen Schiffe damals die City beschossen hatten, als Marineattaché nach Washington versetzt. Andere hohe Offiziere wurden zu einem Schulungskurs nach Israel beordert.

Garcia Godoy wollte sich bei den Vorbereitungen für die Wahl am 1. Juni nicht länger durch Winkelzüge der Armee und der von ihr abgefallenen „Rebellen“ stören lassen. In den letzten Wochen waren Mordanschläge, Schießereien und Streiks an der Tagesordnung gewesen. Am 19. Dezember hätte ein Stoßtrupp der Armee beinahe Oberst Caamano mitsamt Gefolge liquidiert. Rebellen und Gewerkschaften verlangten daraufhin eine Bestrafung der führenden Militärs; doch dazu fühlte sich die Regierung zu schwach.

Auch diesmal hatte Garcia Godoy die Rechnung ohne die Armee gemacht. Verbitterte Offiziere ließen die Zugänge zur Hauptstadt absperren, Truppen umstellten den Präsidentenpalast und besetzten den staatlichen Rundfunk. Aber nach einigen Stunden räumten die Soldaten das Feld vor den Truppen der interamerikanischen Friedensstreitmacht.

Noch immer halten 9000 OAS-Soldaten, darunter 7000 aus den USA, in Santo Domingo Wacht, um einen neuen Bürgerkrieg zu verhindern. Im November schlugen sie bereits in Santiago einen Putsch konservativer Politiker nieder, die General Wessin zurückrufen wollten. Wessin war der mächtigste unter den Offizieren, die das Regime des Diktators Trujillo überlebt hatten. Als Leiter der Kriegsschule verfügte er über Panzer und Flugzeuge. 1963 hatte er den legal gewählten Präsidenten Bosch davongejagt, im April 1965 stellte er sich den jungen Obersten entgegen, die Bosch zurückholen wollten. Im September jedoch deportierten die Amerikaner den Unruhestifter nach Miami.

Obwohl Linksagitatoren die anti-amerikanische Stimmung im Volke kräftig schüren, hält Washington weiterhin seine schützende Hand über Garcia Godoy, dessen neutrale Übergangsregierung Frieden, Ordnung und Demokratie wiederherstellen soll. So düster die Zukunft sein mag, eines weiß er sicher: „Eine Rebellion der Armee wird erfolglos sein, es sei denn, sie wird von den USA unterstützt.“