Vor knapp einem Jahr berichteten zwei amerikanische Ärzte, Dr. Christopher Papa und Dr. Albert Kligman, sie hätten die Kopfhaut von 21 kahlköpfigen Patienten mit einer Lösung des männlichen Sexualhormons „Testosteron“ eingerieben und nach einiger Zeit bei 15 dieser Versuchspersonen einen – freilich nur sehr sparsamen – Anflug von Haarwuchs festgestellt.

In unserem Bericht über dieses Versuchsergebnis (5. März 1965) zitierten wir die beiden Forscher, die ausdrücklich vor einer Anwendung ihrer Entdeckung, die lediglich wissenschaftlichen Wert habe, warmen. Testosteron ist ein sehr wirksames Hormon, das durch die Haut in den Organismus eindringen und gefährliche Nebenwirkungen hervorrufen kann. Bekannt ist zum Beispiel, daß diese Substanz das Wachstum eines Prostata-Karzinoms anregt.

Indessen wird jetzt von einer Frankfurter Firma Testosteronpropionat als Haarwuchsmittel feilgeboten, wobei sich der Hersteller ausdrücklich auf die Versuchsergebnisse der Amerikaner beruft, ihre Warnung aber verschweigt.

Da nicht anzunehmen ist, daß der Produzent sein neues Präparat ohne die erforderliche Lizenz vertreibt, bleibt die Frage an das Gesundheitsministerium, ob es nach unseren peinlichen Erfahrungen mit gefährlichen Nebenwirkungen von Arzneimitteln nicht endlich an der Zeit ist, die einschlägige Literatur zu Rate zu ziehen, ehe der Verkauf einer biologisch so potenten Substanz genehmigt wird? -ow