Um die Welt zu volkstümlichen Preisen

Von Eka von Merveldt

„1966 noch billiger rund um die Welt: Eine Schiffsreise für 5250 Mark.“ „Eine Weltflugreise für knapp 8000 Mark.“

Jüngste Meldungen deutscher Touristikunternehmen. Januar 1966.

Solange der Weg zum Mond noch nicht geebnet ist, wird die Weltreise der Höhepunkt aller Reisen bleiben. Nicht viele würden die faszinierende Frage „Haben Sie Lust, eine Weltreise zu machen?“ mit „Nein“ beantworten. Das sind dann jene letzten Europäer aus Überzeugung, die zum 30. Male nach Rom oder zum 70. Male nach Paris fahren. Selbst Leute, die gewöhnt sind, ohne große Vorbereitungen mitten aus der Arbeit heraus sich wie nach Lüneburg in ferne Länder zu begeben, Handelsleute, Ingenieure, Journalisten, und sich keinerlei Illusion über das Außergewöhnliche auch solcher großen Reisen machen, werden beeindruckt von dem Reiz der faszinierenden Namen jener Stationen wie Angkor, Surabaja, Viti Levu. Auch sie werden von dem starken Ausdruck „Große Regenzeit“ eigenartig berührt. Er taucht auf, sobald die Ausführung des Projektes näher besprochen und festgestellt wird, daß man in fernöstliche Tropenländer am Äquator am besten im Winter reist – „wenn der große Regen vorüber ist.“ Auch sie werden elektrisiert, wenn unter den Besichtigungspunkten im aufgestellten Programm Tirta Empul, Borobudur, Ohinemutu und Marae Arahurahu auftauchen, ob sie wissen, was und wo das ist oder nicht. Es klingt doch so als ob man sagt: „Morgen empfängt mich der Papst“ oder: „Durch einen Zufall habe ich bei Bekannten in New York Greta Garbo getroffen.“

Nicht viele werden sich der starken Worte und ihrer möglichen Bedeutung darüber entziehen können. Sie werden sich weder durch ironische Anmerkungen gleichmütiger Kollegen über die Strapazen und die Bedrohung der Gesundheit, noch durch wohlmeinende Sätze wie „Du hast es schön, Du kommst in die Wärme“ beeinflussen lassen. Doch ein staunender Anruf aus der abgeschiedenen Einsamkeit eines Häuschens im Bayerischen Wald, der mich kurz vor dem Abflug erreichte, ließ aufblitzen, daß doch ein Wagnis und etwas Noch-nie-Dagewesenes im Spiel sein mußte, obwohl auch ich weiß, daß man heutzutage ebenso leicht nach Ceylon reisen kann wie seinerzeit meine Großmutter aus Posen nach Berlin (wobei es nicht hierher gehört, daß sie in ihrer Jugend auch schon bis Chikago vordrang).

Ich fand, ich hatte großes Glück, daß ich zum zweiten Male zu einer Erdumrundung aufgefordert wurde. Den Flugschein, den ich wie eine Ziehharmonika aufspringen lassen konnte, so lang war er, zeigte ich mit Freuden überall herum, ob man ihn sehen wollte oder nicht, bis ich ein Glitzern in fremden Augen sah, das mich bremste. Er war gültig für eine Strecke von 60 000 Kilometern, die durchmessen werden sollten. 60 000 Kilometer, die Länge des Äquators und noch einen halben dazu. Zum zweiten Male sollte ich den unendlichen Pazifik und die Inseln der Südsee sehen.