Ein alter Traum von Dänen und Schweden ist seiner Verwirklichung ein gutes Stück nähergerückt. Sechs Großunternehmen der Baubranche, drei dänische und drei schwedische, legten den Regierungen beider Länder ein Angebot vor, innerhalb von sechs Jahren zwei feste Verkehrsverbindungen zwischen den skandinavischen Nachbarstaaten zu schaffen, ohne die Staatshaushalte mit einer Krone zu belasten: einen Eisenbahntunnel zwischen den Städten Hälsingborg und Helsingör und eine kombinierte Tunnel-Brücken-Verbindung zwischen Malmö und Kopenhagen.

Damit liegt zum ersten Male in der Jahrzehntelangen Geschichte fruchtloser Debatten um eine feste Verbindung über den Öresund ein Vorschlag auf dem Verhandlungstisch, der gute Aussieht hat, alle Finanzierungs- und Prestigeklippen zu überwinden. Die erste Konzession zum Tunnelbau (Hälsingborg–Helsingör) wurde vor nunmehr 70 Jahren bei den Regierungen in Kopenhagen und Stockholm beantragt. Seither geistern Tunnel- und Brückenbau-Projekte durch die Geschichte beider Länder.

Die erste exakte Kalkulation für eine Brücke über den Sund wurde 1936 aufgestellt. Schon damals hieß es in Kopenhagen und Stockholm, „wegen des zu erwartenden gewaltigen Anwachsens des Autoverkehrs“ sei die Verbindung in Zukunft dringend erforderlich. Die Kalkulation von 1936 wurde 1952 neu bearbeitet und schließlich zwei Jahre später noch einmal ganz neu aufgestellt.

Anfang 1964 schließlich setzte man eine Expertenkommission ein, die untersuchen sollte, an welcher Stelle des Sundes eine feste Verbindung am zweckmäßigsten wäre. Es entbrannte ein hartnäckiger Streit um die Alternative Malmö–Kopenhagen und Hälsingborg–Helsingör.

Die mittel- und westschwedische Industrie plädierte für die nördliche Führung. Verkehrsexperten und Finanziers gesellten sich dazu, denn die Fähren zwischen Hälsingborg und Helsingör transportieren sechsmal soviel Kraftfahrzeuge als die Schiffe zwischen Malmö und Kopenhagen. Außerdem kann die Brücke im Norden erheblich billiger gebaut werden. An dieser Stelle ist der öresund nicht einmal fünf Kilometer breit, während die Distanz zwischen Malmö und Kopenhagen 25 Kilometer beträgt.

Diesen Argumenten schlossen sich die Fachkommissionen an und übermittelten den Regierungen beider Länder eine entsprechende Empfehlung. Baukostenkalkulation: 550 Millionen Mark für eine kombinierte Brücke Schiene-Straße.

Die dänische Regierung aber, gedrängt von Kommunalpolitikern der Hauptstadt Kopenhagen, gab der Führung Kopenhagen–Malmö den Vorzug. Hauptargument: Der stärkere Lokalverkehr an dieser Stelle garantiere erst die Rentabilität des Projektes. Der Nordische Rat (Mitglieder: Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen und Island) deklarierte gar, an beiden Stellen, im Norden und im Süden, müsse eine feste Verbindung über den Öresund geschaffen werden. Endlich beschloß der Verkehrsausschuß des Nordischen Rates gegen die Stimme, des schwedischen Verkehrsministers, der Südverbindung sei der Vorzug zu geben.