Peinlich muß es für Ostberlin sein, daß der gerade wieder heftig geschmähte, aus SED und Akademie gestoßene Professor Havemann Verteidiger gefunden hat, die unbestritten gute Kommunisten sind.

Das italienische KP-Organ „Unita“ schrieb am 5. Januar: „Die Polemik Havemanns richtet sich nicht gegen den Marxismus, sondern ist für den Marxismus; Havemann ist gegen jene, die sich – gutgläubig – als Kommunisten und Marxisten ausgeben, aber wegen ihres Dogmatismus ein schweres Hindernis für die schöpferische und revolutionäre Entwicklung der Wissenschaft, des Denkens und der sozialistischen Gesellschaft bilden.“

Das römische KP-Organ lobt Havemann als einen Marxisten vom Format eines Galilei und meint spöttisch, es sei kein Zufall, daß sich die ptolemäischen Dogmatiker „auf den Lehrstühlen des dialektischen Materialismus der Universitäten des sozialistischen Deutschland und der Sowjetunion befinden“. Dort nämlich sei die Umwandlung des Marxismus in eine „Materie an sich“ zu einer Art „professionellen dogmatischen Deformation geworden“. Dabei rühmt das KP-Blatt die kürzlich in Mailand erschienene Übersetzung von Havemanns „Dialektik ohne Dogma“.

Auch in der letzten Ausgabe der polnischen Zeitschrift Studia Filosoficzne wird auf 33 Seiten die westdeutsche Ausgabe der umstrittenen Vorlesungen des DDR-Professors sachlich-freundlich, wenn auch nicht unkritisch besprochen: „Richtig legt Havemann Nachdruck auf die Wechselbeziehung zwischen dem Dogmatismus in der Philosophie, im ganzen intellektuellen Leben und dem Stalinismus in der politisch-administrativen Sphäre“. Kann man es noch deutlicher sagen – und noch aktueller? Ste.