Die biologische Erforschung des Roten Planeten verdient höchste wissenschaftliche Priorität

Von Diether Schmidt

Eine öde, seit Jahrmilliarden wasserlose Kraterlandschaft, in der sich höchstwahrscheinlich zu keiner Zeit organisches Leben entwickelt haben konnte, geschweige denn gegenwärtig zu existieren vermag. So lauteten die ersten Interpretationen der Mars-Photos, die im letzten Sommer von der Raumsonde Mariner 4 zur Erde zurückgefunkt wurden.

„Das waren sehr voreilige Deutungen der Aufnahmen“, erklärte in diesen Tagen Professor Stanley Miller von der kalifornischen Staatsuniversität, „Schlußfolgerungen, die, wie wir inzwischen gelernt haben, einer kritischen Analyse nicht standhalten. Es ist zum Beispiel keineswegs ausgeschlossen, daß es einmal Ozeane auf dem Mars gegeben hat, in denen sich Lebewesen entwickeln konnten. Falls aber jemals dort Leben entstanden ist, kann es auch heute noch auf dem Roten Planeten existieren.“

Dr. Miller, der wegen seiner experimentellen Untersuchungen über die Lebensentstehung berühmt geworden ist, hat eine Reihe von biologischen Mechanismen beschrieben, mit deren Hilfe sich solche Lebewesen – er denkt dabei freilch nur an Mikroorganismen – an die allmählich immer lebensfeindlicher werdenden Umweltbedingungen auf der Marsoberfläche angepaßt haben könnten.

Nach wie vor aktuell

Kurzum, die Frage nach möglichem Leben auf dem Mars ist nach wie vor aktuell. „Doch es steht zu befürchten“, glaubt Miller, „daß die verfrühten, zunächst ernüchternden Berichte über das Ergebnis des Mariner-Experiments bei einigen der für die Raumfahrt Verantwortlichen bereits zu einem Nachlassen des Interesses an der Marsforschung geführt hat. Das wäre besonders deshalb bedauerlich, weil eine Verzögerung der Vorarbeiten für unbemannte Mars-Exkursionen dazu führen würde, daß wir den günstigsten Termin für solche Vorhaben verpaßten.“