Charles de Gaulle hat sich die bitteren Lektionen der Dezember-Wahlen zu Herzen genommen. Das neue Kabinett Pompidou staffierte er mit einem „New Look“ aus, der auch den oppositionellen Wählern von links gefallen soll. Neun Minister mußten ausscheiden, sechs ihre Plätze wechseln, elf Minister und Staatssekretäre wurden neu aufgenommen.

Eine der Überraschungen war die Ernennung Michel Debrés zum Wirtschafts- und Finanzminister. Debré, erster Ministerpräsident unter de Gaulle bis 1962 und ein fanatischer Anhänger des Generals, soll der Wirtschaft die Zügel etwas lockerer lassen und dem „kleinen Mann“ ein größeres Stück vom sozialen Kuchen geben, ohne jedoch eine Inflation heraufzubeschwören.

Der mögliche Nachfolger de Gaulles trat zu seinen eigenen Bedingungen in die Regierung ein: Als Chef eines „Kabinetts im Kabinett“ unterstehen ihm auch die Minister für Soziales, Aufbau und Industrie. Seinetwegen mußte der junge, brillante Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing, der Preise und Kredite scharf kontrolliert hatte, die Regierung verlassen.

Landwirtschaftsminister Edgar Pisani, von seinen EWG-Kollegen als zäher Unterhändler gefürchtet, wurde durch Edgar Faure ersetzt, einen zum Ausgleich neigenden Politiker, der sich als Ministerpräsident in der Vierten Republik und als diplomatischer Vorreiter de Gaulles (in Peking und Moskau) einen Namen machte.