Die deutsche Marmelade

Wer kennt nicht die deutsche Marmelade, den süßen Höhepunkt des deutschen Hotelfrühstücks? Und welcher Kulturmensch wüßte sie angesichts der beiden Brötchen, der kargen Butterspende und des stets überraschend schmeckenden Kaffees nicht zu schätzen? Muß sich da nicht Ratlosigkeit ausbreiten, wenn jetzt auch die deutsche Hotel-Frühstücks-Marmelade, sei sie nun aus Orangen, Kirschen oder Rätselhafterem gewonnen, einigen Undankbaren nicht mehr munden will? Kritik ist nämlich laut geworden, Kritik an der Qualität selbiger Köstlichkeit, die neuerdings von Flegeln gar als „Kunst-Marmelade“ bezeichnet wird! Konnte der Bundesverband der Obst- und Gemüseverwertungsindustrie in dieser Situation länger schweigen? In seiner Stellungnahme wird von strengen Vorschriften, Qualitätsnormen und Lebensmittelüberwachungsbeamten gesprochen, wird der Ausdruck „Kunst-Marmelade“ als für deutsche Erzeugnisse „diskriminierend“ zurückgewiesen und wird der Hoffnung Raum gegeben, daß dank der ständigen Qualitätsüberwachung eine weitere Qualitätssteigerung der deutschen Konfitüren und Marmeladen kaum ausbleiben könne. Womit denn auch das pauschal verdammte deutsche Hotelfrühstück gerettet wäre.

Wie du mir...

Der Automobilclub von Deutschland hat ein Revancheprogramm ersonnen. Der AvD hat nämlich überdacht, daß, deutsche Touristen im letzten Jahr 5,1 Milliarden Mark im Ausland ausgegeben haben, während ausländische Besucher im gleichen Zeitraum lediglich 2,7 Milliarden Mark in Westdeutschland gelassen haben. Um das Defizit künftig zu verringern, haben die AvD-Kalkulatoren dem Bundesverkehrsministerium empfohlen, durchreisenden Ausländern bereits im nächsten Jahr eine Autobahn-Benutzungsgebühr abzufordern. Mit der Einschränkung: Zahlen sollen lediglich jene Fahrer, in deren Heimat ebenfalls eine Autobahngebühr erhoben wird. Die Rechnung ist verlockend: Wenn jedem italienischen und französischen Wagenlenker beim Grenzübertritt 20 Mark abverlangt würden, könnten jährlich 13 Kilometer Autobahn zusätzlich gebaut werden. Vorausgesetzt natürlich, daß der AvD-Vorschlag die Sympathie der Bundesregierung findet, und vorausgesetzt natürlich, daß die somit jährlich gewonnenen 40 Millionen Mark auch wirklich dem Verkehrsministerium überlassen werden ...

Wohlstand im Koffer

Der deutsche Urlauber wandelt sich zusehends. Schon zögert er, sich in prallen Krachledernen auf dem Petersplatz zu zeigen. Und wer will es ihm verargen, daß er im Miet-Bungalow an der Costa del Sol weder auf den Fernsehsessel noch auf das eigene Fernsehgerät verzichten möchte? Und abends? Abends wird, just wie in der fernen Heimat, im Smoking soupiert. Ähnlich scheint auch die deutsche Urlauberin zu denken. Das wertvolle Brillant-Kollier wird nicht mehr im Safe deponiert, sondern mitgenommen, dazu kommt die Nerzstola in den Koffer, und das große Abendkleid wurde schließlich eigens für den Urlaub geschneidert! Kein Wunder, daß sich der angegebene Wert des versicherten Gepäcks im vergangenen Jahr um 100 Prozent erhöht hat.

Souvenir perdu

Die Bahnstation mit dem längsten Namen der Welt soll im Interesse von Rationalisierungsmaßnahmen der Britischen Eisenbahnen demnächst geschlossen werden. Selbst die im vergangenen Jahr an Souvenirjäger verkauften 250 000 Bahnsteigkarten konnten das vom mangelnden Personenverkehr herrührende Defizit nicht ausgleichen. Auf den 15 Zentimeter langen Bahnsteigkarten ist der Name des Bahnhofs verzeichnet. Er lautet: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwillantysilogagoch.