Es war im Wahlkampf zur Bundestagswahl 1964 in Maschen vor den Toren Hamburgs. In einer Fabrikhalle versammelten sich 900 geladene Gäste – Beschäftigte der Artos-Werke, Honoratioren aus der Umgebung und Freunde des Chefs. Auf dem Podium saßen die Bundestagskandidaten Seebohm (CDU), Sänger (SPD) und Mende (FDP). Sie beantworteten nach bestem Wissen – und natürlich mit Betonung der jeweiligen Parteiverdienste –, was die Anwesenden wissen wollten. Es war eine Veranstaltung, die aufhorchen ließ, weil sie nicht in das übliche Klischee des Wahlkampfes hineinpaßte.

„Ich suchte und suche neue Möglichkeiten der Wechselwirkung zwischen Industrie und Politik – abseits der Industrie-Lobby“, begründet Dr. Ing. Christian August Meier-Windhorst, Chef und Inhaber der Artos Dr. Ing. Meier-Windhorst Kommanditgesellschaft, seinen Ausflug in die politische Arena.

Das Wahlkampfforum kam allerdings nicht von ungefähr; Meier-Windhorst bekennt sich zum politischen – was nicht heißen muß: parteipolitischen – Engagement des Unternehmers. Gut bekannt mit den Freien Demokraten Mende und Dehler, auf gutem Fuß mit seinem Wahlkreisabgeordneten, dem Bundesverkehrsminister Seebohm, macht er beispielsweise keineswegs einen Hehl daraus, daß er es für politisch notwendig erachtet, auch die fähigen Köpfe der SPD in die Regierungsverantwortung zu bringen, sei es in einer Großen Koalition, sei es in einer SPDFDP-Koalition.

Neben der Politik ist es die Wissenschaft, die den 53jährigen Techniker und Mathematiker außer seinem Unternehmen fesselt. Und auf der Wissenschaft baut sich auch der neueste Zweig seines Unternehmens auf, die Artos-Forschung, wo die Verfahren für die Textilveredelung entwickelt werden, für die Meier-Windhorst dann die notwendigen Maschinen baut.

Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, stand der Fachmann für Belüftungsanlagen, der während der Kriegsjahre für die Marine U-Boote und für den Zivilschutz Luftschutzbunker belüftet hatte, zwar kerngesund, aber ohne Arbeitgeber da. Also beschloß er, selbst Arbeitgeber zu werden, und gründete am 1. November 1945 in Hamburg seine eigene Firma, anfangs nur eine frühere Werkstatt. Und er blieb bei seinem Leisten: Er stellte Warmluft- und Trocknungsanlagen her, hauptsächlich für die chemische und die Holzindustrie.

Der Name für die neue Firma war bald gefunden: „Artos ist eine reine Phantasiebezeichnung“, erzählt Meier-Windhorst heute. „Mein Familienname erschien mir nicht einprägsam genug. Deshalb erfand ich lieber ein kurzes, einfaches, klangvolles Wort, das in allen Sprachen aussprechbar ist und mit A beginnt, damit es in den Katalogen vorn steht.“

Heute beträgt das Eigenkapital der reinen Familien-KG 7,5 Millionen Mark. Der Umsatz lag 1965 bei 80 Millionen Mark; vor zehn Jahren betrug er 8,4 Millionen Mark. Nur 20 Prozent der Produktion bleiben in der Bundesrepublik. 80 Prozent gehen in den Export; ein Fünftel der Gesamtproduktion (also ebensoviel wie die Bundesrepublik) nimmt der Ostblock ab.