Die drei Westmächte haben sich im Nahen Osten auf einen Rüstungswettlauf eingelassen, den sie mit dem Argument rechtfertigen, man könne durch „gezielte Waffenverkäufe“ die Kräfteverhältnisse im arabisch-israelischen Spannungsfeld ausbalancieren.

Es begann am Jahreswechsel mit einem britisch-amerikanischen Waffengeschäft in Saudi-Arabien. König Feisal wollte seine Luftverteidigung modernisieren, die auf dem Niveau des Zweiten Weltkrieges stehengeblieben war.

Von dem 1,12-Milliarden-Auftrag Saudi-Arabiens konnten sich britische Firmen den Löwenanteil sichern. Großbritannien liefert Überschall-Abfangjäger vom Typ Lightning Mark 3, Radaranlagen und Computer. Den Rest des Auftrags – ein Viertel – bestreiten die USA mit Hawk-Flugabwehrraketen, über die auch Israel schon verfügt.

Offiziell ist zu hören, König Feisal brauche diese Waffen, um seine Ölfelder gegen einen möglichen Überfall Ägyptens zu schützen. Dennoch hat sich die Besorgnis der Israelis nicht verringert. Sie können auf das Beispiel des indischpakistanischen Krieges verweisen, in dem westliche Waffen „zweckentfremdet“ wurden. Schließlich liegen Feisals Flugplätze Tel Aviv näher als Kairo.

Unbehagen bereiten dem israelischen Generalstab auch die Waffenlieferungen an das benachbarte Jordanien. König Husseins Armee erhält etwa hundert Patton-Panzer als Gegengewicht zu den M-48-Panzern, die Bonn seinerzeit aus US-Beständen an Israel weiterverkauft hatte. Jordanien und der Libanon wollen außerdem mit Hilfe kuwaitischer oder saudi-arabischer Kredite französische Mirage-III-Jäger erwerben, mit denen die israelische Luftwaffe seit langem ausgerüstet ist. Währenddessen läßt Nasser sein Waffenarsenal mit sowjetischen Raketen und modernen MIG-21-Jägern auffüllen.

Der ägyptische Staatschef läßt gar keinen Zweifel daran, daß er diese Waffen gegen Israel einsetzen will. „Israel wird vernichtet werden“, prophezeite er noch am 18. November in einer Rede vor Jugendlichen: Seit der ersten arabischen Gipfelkonferenz im Januar 1963 seien über drei Milliarden Mark für die Aufrüstung Syriens, des Libanons und Jordaniens aufgebracht worden. Allerdings benötigt das gemeinsame arabische Oberkommando für den Aufbau der Land- und Luftstreitkräfte noch vier Jahre; ehe es einen Waffengang mit den Israelis riskieren könnte.

Doch werden die Israelis so lange warten? Oder werden sie in der Zwischenzeit ihr Abschreckungspotential vergrößern, etwa durch den Bau einer Atombombe? Aus Washington wurde gemeldet, Frankreich habe den Israelis in einem Geheimvertrag 30 Mittelstrecken-Raketen zugesagt. Wegen ihrer mangelnden Treffsicherheit wären diese Waffen militärisch nur sinnvoll, falls sie mit atomaren Sprengsätzen versehen würden. Paris und Tel Aviv dementierten. Es wurde lediglich bestätigt, daß privat; französische Firmen Israel bei der Entwicklung militärischer Raketen zur Hand gehen.