Der publizistische Erfolg des Unternehmens war beträchtlich. Seine Befürworter feierten es als wertvollen Beitrag zur staatsbürgerlichen Erziehung, die Gegner wähnten, nun sei die deutsche Demokratie auf dem besten Wege, infantil zu werden. Die Initiatoren dieses Unternehmens sind eine Reihe junger Abgeordneter aller Parteien; sie wollen das Wahlalter drastisch herabsetzen.

Bisher gilt Grundgesetz-Artikel 38, Absatz 2: „Wahlberechtigt ist, wer das einundzwanzigste, wählbar, wer das fünfundzwanzigste Lebensjahr vollendet hat“. Nach dem Willen der Reformer sollen künftig 18jährige das aktive Wahlrecht, 21jährige das passive Wahlrecht erhalten. Wortführer der Wahlrechtsreform sind die Abgeordneten Genscher (FDP), Klepsch (CDU) und Müller (SPD).

Die Reaktion der Politiker auf diesen Vorschlag entsprach meist ihrem Alter: Die jüngeren Abgeordneten fanden ihn gut, die 40-bis 60jährigen verhielten sich wohlwollend bis skeptisch, und Konrad Adenauer, der Senior der Partei, lehnte ihn kategorisch ab; er meinte, die jetzige Regelung sei „gut und wohl begründet“.

Für eine Senkung des Wahlalters werden folgende Gründe angeführt:

1. Wer versucht, die Jugend für die Politik zu interessieren, muß ihr auch die Möglichkeit ‚geben sich aktiv am politischen Geschehen zubeteiligen; die Beteiligung an der Wahl soll eine staatsbürgerlich-pädagogische Wirkung erzielen.

2. Die Jugendlichen unserer Tage sind reifer und selbständiger als die Gleichaltrigen früherer Generationen. Viele üben schon eine verantwortlicheTätigkeit aus, viele von ihnen haben die Hochschulreife.

3. Das Interesse der Jugendlichen an der Politik steigt vom 18. Lebensjahr sprunghaft an (siehe Jugendbericht der Bundesregierung vom 14. Juni 1965).