Von Herbert R. Koch

In einer ZEIT-Serie hat Frau Dr. Hamm-Brücher die pädagogischen Provinzen der Bundesrepublik Deutschland geschildert. Hierbei zeigte sie recht unterschiedliche Realitäten und Schwierigkeiten auf, spürte auch der Stärke und Richtung des kulturpolitischen Windes nach. Seit vor rund 150 Jahren in deutschen Landen die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde, hat sich ja ein in vielen Farben schillernder Garten mit einzelnen Schulbeeten entwickelt, der von den einen bejaht und in seiner gewachsenen Eigenständigkeit gehegt, von anderen als ungeeignet angeprangert wird, allen Kindern unseres Volkes die gleichen Bildungs-Chancen zu gewährleisten, ungeeignet auch, eine Schule der offenen Industriegesellschaft zu werden.

Die Kultusminister der Länder der Bundesrepublik sind dabei, etwas zur Vereinheitlichung des deutschen Schulwesens beizutragen. Sollte bei diesen Bemühungen nicht auch an eine Vereinheitlichung des quantitativen Unterrichtsangebotes gedacht werden, an ein für alle Kinder der jeweiligen Entwicklungsstufe angemessenes Maß an Unterrichtsstunden?

Warum müssen die Lernanfänger zum Beispiel in Kiel 16 Stunden in der Woche zur Schule gehen, die bayerischen Mädchen aber 23 Stunden? Das macht im ersten Schuljahr immerhin einen Unterschied von 280 Schulstunden aus.

Neben dem Blick auf die Zahl der Unterrichtsstunden in den einzelnen Klassen wird die Frage täglich interessanter, welches Gewicht, das heißt, welche Wochenstundenzahl der naturwissenschaftlichen Fächergruppe etwa bei den Vierzehnjährigen in Köln, Stuttgart oder Dresden eingeräumt wird.

In den Gymnasien ist die Zahl der Wochenstunden in den Parallelklassen annähernd gleich. Ihre Verteilung auf die einzelnen Fächer richtet sich nach dem Charakter der Anstalt. Ganz erhebliche Unterschiede entdecken wir jedoch in den Wochenstundenzahlen der parallelen Volksschulklassen in den einzelnen deutschen Ländern. Wobei nicht übersehen werden sollte, daß es für mehr als 70 Prozent deutscher Kinder mit diesem Angebot an Vollzeitschule sein Bewenden hat.

Eine Übersicht über die Zahl der Unterrichtsstunden, die in der Volksschuloberstufe, also vom 5. bis 8. Schuljahr insgesamt erteilt werden, besser: behördlich verordnet sind, zeigt folgende Aufstellung: