Da treten viele auf, als seien Kanonen auf sie gerichtet, während nur Operngläser auf sie gerichtet sind. Bert Brecht

Serie ohne Anfang

Seit einiger Zeit bemühen sich ein paar Stucenten der Westberliner Studentenstadt Siegnundshof, Schriftsteller aus Ost und West zu Gesprächen zusammenzubringen; zur Zeit läuft eine Reihe von Veranstaltungen, bei denen Vertreter einzelner DDR-Verlage berichten und diskutieren. Das neueste Vorhaben dieser inoffiziellen literarischen Kontaktstelle, die jetzt „Ost-Vest-Colloquium“ heißt, begann ungünstig – nämlich gar nicht. Sechsmal sollten (und an diesem Plan wird nach wie vor festgehalten) in den nächsten Monaten elf west- und zehn ostdeutsche Schriftsteller zur Diskussion von Fragen wie „Hat ein Schriftsteller die Möglichkeit, seine Gesellschaft zu verändern?“ zusammenkommen – und zwar in Klausur, unter Ausschaltung des Showbetriebs, an dem die Ernsthaftigkeit solcher Treffen oft leidet: zwei öffentliche Disputationen sollten folgen. Als Auftakt war für Donnerstag letzter Woche eine (öffentliche) Diskussion zwischen Günter Grass und Stefan Heym angesetzt. Sie fand nicht statt: Heym, neben Biermann, Bräunig und Bieler im Augenblick poeta ingratissimus in der DDR, wurde die Ausreise verweigert. Ob und in welcher Form die Veranstaltungsreihe, die so um ihren Anfang gebracht wurde, weitergehen kann, steht noch dahin; viel wird von dem neuen Kulturminister der DDR, Klaus Gysi, abhängen (er war bisher Leiter des Aufbau-Verlags und Vorsteher des DDR-Börsenvereins): davon, ob seine bei aller Linientreue vorhandene Geschmeidigkeit und seine bisher gezeigte Aufgeschlossenheit für Ost-West-Kontakte auch unter dem neuen frostigen Kurs erhalten bleibt und sich durchsetzt.

Hilfsaktion Vietnam

Die Westdeutsche Frauenfriedensbewegung hat sich der von Martin Niemöller gegründeten „Hilfsaktion für Vietnam“ angeschlossen und eine kleine Platte mit vietnamesischen Volksliedern produziert. Zu hören sind auf ihr außerdem noch Lil Dagover, die die deutschen Texte, und Martin Niemöller selber, der einen Aufruf zur Tat spricht. Der Reinerlös des Unternehmens – die Platte kostet 8,– DM – fließt in die Kasse der „Hilfsaktion“. Bestellungen erbittet Elly Steinmann, 464 Wattenscheid, Postfach 463; Einzahlungen können auf das Postscheckkonto 1388 41, Dortmund, vorgenommen werden.

Godards kleiner Soldat

Wenn der Atlasverleih hält, was er in seiner Jahresvorschau verspricht, dann werden wir Jean-Luc Godards zweiten Spielfilm zu sehen bekommen. „Le Petit Soldat während des Algerienkrieges gedreht und damals von der französischen Zensur sofort für In- und Ausland verboten, dürfte, obwohl verspätet, eine interessante Premiere werden. Zum zweitenmal kündigt der Verleih Luis Buñuels „Würgeengel“ an – im letzten Jahr hatte es nicht mehr geklappt, hoffen wir, daß in diesem etwas daraus wird.