Als ein „Ereignis von nicht geringer Bedeutung“ bezeichnete Dr. Günther Henle mit Recht den ersten Schritt seines Unternehmens in die Publizität. Ohne gesetzlichen Zwang, ganz und gar aus eigener Verantwortung der Öffentlichkeit gegenüber hat sich die Kommanditgesellschaft Klöckner & Co. entschlossen, ihre Geschäftszahlen nunmehr regelmäßig zu veröffentlichen. Dieser Schritt könnte ein Vorbild auch für andere große Personalgesellschaften sein, deren volkswirtschaftliche Bedeutung zu groß ist, als daß sie ihre Entscheidungen auf die Dauer hinter verschlossenen Türen treffen. Klöckner & Co. hat diese Tür jetzt aufgetan, die zweitgrößte deutsche Handelsgesellschaft (nach der Aral AG) stellt sich vor. Zugleich wird damit aber auch zum ersten Male nach dem Kriege das ganze frühere Industrie-Imperium des alten Peter Klöckner sichtbar.

Daß es dem Oberhaupt der Familie des Firmengründers, Dr. Günther Henle – der zugleich in der Unternehmensführung seinerzeit auch der direkte Nachfolger des Geheimrats Peter Klöckner war – ernst ist mit seinem Bekenntnis zur Publizität, das beweist nicht zuletzt seine Offenheit in der Darlegung der eigentumsmäßigen Verflechtungen zwischen den einzelnen Konzernbereichen.

Jetzt läßt sich feststellen, daß auch der Klöckner-Bereich die Entflechtung und zum Teil auch die Enteignung kompletter überstanden hat, als es lange Zeit den Anschein hatte. Vielleicht nicht so spektakulär wie andere Ruhrkonzerne, dafür aber durchaus nicht weniger erfolgreich konnte auch hier die alte Tradition des Firmengründers fortgesetzt und weitergeführt werden. Mehr als ein Symbol dafür ist der Chef des ganzen Konzerns, Dr. Henle, als Oberhaupt der Eigentümerfamilie zugleich Aufsichtsratsvorsitzer der beiden Aktiengesellschaften Klöckner-Werke und Klöckner-Humboldt-Deutz und Hauptkomplementär von Klöckner & Co.

Das Zeichen „Vorhang auf“ für diese zweitgrößte deutsche Handelsgesellschaft, die 1965 einen Konzernumsatz von 7,4 Milliarden Mark repräsentierte, gibt den Blick frei auf ein äußerst aktives und vielseitiges Unternehmen. „Unsere breite Palette ist eine gewisse Assekuranz für Rückschläge in diesem oder jenem Bereich“, betonte der Klöckner-Chef in der ersten sehr aufgeschlossenen Pressekonferenz des Hauses.

Die größte Tochtergesellschaft, die Klöckner Reederei und Kohlenhandel GmbH, wies im Jahre 1964 allein einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Mark auf. Insgesamt gehören 129 Tochtergesellschaften zu der Gruppe; 82 davon erscheinen in dem vorgelegten konsolidierten Abschluß. Rund 50 Prozent des gesamten Klöckner-&-Co.-Umsatzes sind im weiteren Sinne von der Stahlkonjunktur abhängig. Die Politik des Hauses – so war in der Pressekonferenz zu hören – ziele darauf ab, diese Abhängigkeit ständig zu verkleinern; denn auch die langfristigen Aspekte des Stahlgeschäftes werden hier nicht sehr rosig beurteilt. Der Handel mit Chemieerzeugnissen, Baumaschinen, Werzeugmaschinen und nicht zuletzt das Industrie-Anlagengeschäft sowie bei der Reederei-Tochter die Sparten technische Geräte, Dienstleistungen und Spedition gehören zu den expansiven Bereichen der Gruppe. Der Exportanteil betrug im Berichtsjahr 14 Prozent, er kletterte auf rund 20 Prozent im Jahr 1965.

Ingrid Neumann

„Was heißt hier feiner Pinkel? Ohne den Wagen käme ich in meiner Freizeit gar nicht rum bei meinen Schwarzkunden.“