SED zuckt zurück

Es komme darauf an, so schrieb Walter Ulbricht in seinem ersten Brief an die SPD, eine Bresche in die Barriere zu schlagen, die den Weg zur Überwindung der deutschen Spaltung blockiert. Aber so ganz buchstäblich war das wohl nicht gemeint. Zweimal ist in den letzten Tagen jedenfalls deutlich geworden, daß es das SED-Regime immer noch nicht wagt, sich im offenen Wettbewerb der Systeme und der Ideen zu stellen. Das eine Mal, als Robert Havemann, der unbekümmerte Breschenschläger auf eigene Faust, mit üblen, statutenwidrigen Agitprop-Tricks aus der Deutschen Akademie der Wissenschaften hinauseskamotiert wurde; das andere Mal, als Ostberlin den Vorschlag eines gesamtdeutschen Fernsehdisputs zwischen den Parteien des Bundestags und der Volkskammer ablehnte.

Bisher sind die Kommunisten noch stets zurückgezuckt, wenn sie im innerdeutschen Gespräch beim Wort genommen werden sollten, ob es um akademische Kontakte oder um Zeitungsaustausch ging. Die Ängstlichkeit des Regimes müßte aufrechten Kommunisten zuwider sein. Uns bietet sie keinen Anlaß zum Jubel: Sie ist die schlimmste Barriere auf dem Wege, der zum ganzen Deutschland führt. Th. S.

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