Blumengeschmückt paradierten Ostberliner Betriebskampfgruppen am Wochenende an SED-Chef Walter Ulbricht vorbei: Zum erstenmal wagte er es, den 13. August 1961 zu feiern („Fünf Jahre nach unserer siegreichen Klassenschlacht am Brandenburger Tor“). Ulbricht triumphierte: „Der Traum, daß die Bundeswehr mit klingendem Spiel durch das Brandenburger Tor zielt, ist ausgeträumt. Jawohl!“ Und: „Mit dem 13. August anerkannten die NATO-Verbündeten der Bonner Regierung den Status quo.“ Auf diesen Tag datierte er auch den Beginn des DDR-Wirtschaftswunders.

In ungewöhnlicher Schärfe reagierte der Berliner Senat auf die Rede Ulbrichts: Bürgermeister Albertz, der den Urlauber Willy Brandt vertritt, titulierte den SED-Chef und seine Freunde als „Landesverräter“ und „Feinde“; die Forderung nach einem langfristigen 30-Milliarden-Kredit bezeichnete er als Unverschämtheit.

In den letzten fünf Jahren wurden 58 Todesopfer an der Sektoren- und Zonengrenze um Berlin registriert. Mehr als tausendmal wurde rund um Westberlin geschossen. Trotz aller Absperrungen sind 24 500 Deutsche aus der DDR nach Westberlin oder in die Bundesrepublik geflüchtet.