Wie malen die jungen deutschen Maler, soweit sie in Baden-Baden vertreten sind? Sie malen, schreibt Heinz Ohff im Vorwort, „wie überall auf der Welt, mit größtmöglicher Freiheit“.

Freiheitlich erscheint ihre Position gegenüber der doktrinären Enge der fünfziger Jahre, erlaubt ist alles: nicht nur, was gefällt, sondern erst recht, was mißfällt.

Die stilistische Freiheit manifestiert sich in der Heterogenität des Gebotenen. Die blonde Emma, als unscharfes Aktfoto die Treppe herabsteigend (Gerhard Richter), ist ebenso legitim wie die Kinetische Horizontale (Gustav Tilmann) oder das Kinetische Raster (Wolfgang Reindel) oder die streifig angestrichene Holzkiste (Alfonso Hüppi) oder ein verstellbares Fußballspiel (von Thomas Bayrle, dem mit seiner „Hommage à Vasarely“ ein parodistisches Kabinettstückchen gelungen ist: mit Hilfe von Vasarelys Technik der Illusionsperspektive wird eine reale Menschenmasse in der Tiefe des Bildraumes untergebracht).

Die Jury hat dem derzeitigen Divercismus Rechnung getragen. Sie hat, was ihr satzungsgemäß gestattet ist, den Preis ungleich geteilt und ihn drei Künstlern gegeben, deren Arbeiten weit auseinanderliegen.

Die Wahl von Dieter Krieg, der den halben Preis (5000 Mark) erhalten hat, scheint mir die relativ beste Entscheidung. Krieg kommt, wie Antes, aus der Schule von Grieshaber. Er hat eine eigentümliche, einprägsame Figur entwickelt, ein menschliches Fragment, das unter Tüchern vergraben in einem Röhrenstuhl sitzt, ein Wesen, das mit schwarzer Hose, mit deformiertem Kopf oder einer violett oder grün gefärbten Pranke (Titel: „Händchen“) dürftig in Erscheinung tritt und einen schwer definierbaren, aber dem Zusammenhang des Bildes eindeutig entnehmbaren Modus einer spezifischen Befindlichkeit demonstriert: der Mensch in unbequemer Lage, gequetscht, eingeengt, zerknautscht.

Klaus Geldmacher, zweiter Preisträger (3000 Mark), baut komplizierte Spielautomaten mit Neonlichteffekten, die sich von Originalautomaten nur dadurch unterscheiden, daß sie nicht ganz so gut funktionieren und der Spieler die herausfallenden Groschen nicht behalten darf. Die Jury kann sich für ihre Fehlentscheidung auf die Biennale berufen, wo Julio Le Parc für seine ludistischen Objekte immerhin den Großen Preis für Malerei bekommen hat.

Jobst Meyer, dritter mit 2000 Mark, begnügt sich mit netten ornamentalen Einfällen („Die schöne Gärtnerin“). Keine Debütanten, aber bemerkenswerte Talente: Jürgen Claus, Peter Ackermann, Karl Horst Hödicke, Arnold Leisler, Georg Baselitz, Pitt Moog, Hans Martin Erhardt. Die Ausstellung dauert bis zum 6. November. Gottfried Sello