Ein Hauch von Bündnis

Für den Konfliktfall wenigstens scheint nun ein gewisses Maß von militärischer Zusammenarbeit zwischen den französischen Truppen in Deutschland und den NATO-Streitkräften gesichert zu sein. Die Gespräche zwischen dem NATO-Oberbefehlshaber, General Lemnitzer, und dem französischen Generalstabschef, General Ailleret, sind zwar noch nicht abgeschlossen, wie amtlich inspirierte Pariser Pressemeldungen ankündigten, aber in den Grundsatzfragen ist die Annäherung weiter gediehen, als das daraufhin veröffentlichte Dementi des atlantischen Hauptquartiers vermuten lassen mußte. Einer Einigungsformel muß der Ministerrat der NATO ohnehin noch seinen Segen geben.

Die Verhandlungen der beiden Militärs sind an politische Weisungen der Allianz nicht gebunden. De Gaulle sträubte sich dagegen, er wollte die soeben abgestreiften, lästigen Fesseln der militärischen Integration nicht gegen ähnliche und nur anders etikettierte Verpflichtungen eintauschen. Auch darin gaben die Partner Frankreichs schließlich nach. Für die Generäle sind dadurch die militärtechnischen Verhandlungen leichter geworden. Freilich nicht auf den Gebieten, wo Übereinkünfte am wichtigsten wären: beim Einsatz der taktischen Luftgeschwader und bei der Luftverteidigung. Beides ist heute ohne ein hohes Maß von vorausgeplanten Bündnisautomatik für den Konfliktfall nicht mehr praktikabel, und gerade der Automatik widersetzt sich de Gaulle.

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Erst an zweiter Stelle steht die Rolle der französischen Divisionen. Sie waren auch früher nur als strategische Reserve vorgesehen. Wenigstens im Falle eines Großangriffs wäre auf sie gewiß zu rechnen. Aber sonst? Wegen der vielen politischen Fragezeichen können Lemnitzer und Ailleret kaum mehr als Modalitäten der gegenseitigen Verständigung verabreden. Die NATO-Planung kann Frankreich nicht einbeziehen. Denn nichts ändert sich am entscheidenden Sachverhalt: Politisch hat sich Frankreich für den Status der bewaffneten Neutralität entschieden – Ausnahmen bestimmt de Gaulle im casus belli. Be.

 
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