Die ziegenhütenden Paviane Südwestafrikas sind nicht die einzigen Affen, die zu landwirtschaftlichen Arbeitskräften ausgebildet werden. Auf vielen Plantagen Thailands lassen die Besitzer Schweinsaffen (macaca nemestrina) planmäßig dazu abrichten, Kokosnüsse zu pflücken, wie Dr. Mireille Bertrand in der Zeitschrift „Science“ (27. Januar) berichtet.

Das tierische „Personal“ wird überall dort eingesetzt, wo die Palmen zu hoch sind und die Arbeit für Menschen zu unwirtschaftlich oder zu gefährlich ist. Für die mit den Rhesusaffen nahe verwandten Makaken gilt der Sechs-Stunden-Tag: Gearbeitet wird von 7 bis 10 Uhr morgens und von 2 bis 5 Uhr nachmittags auf Palmen, die bis zu 25 Meter hoch sind. Belohnungen gibt es nicht. Faulenzer werden nach alter Sklavenmanier ausgepeitscht.

Das thailändische Dressurverfahren wird schon seit mehreren Jahrhunderten praktiziert. Es entspricht mittelalterlichen Gewohnheiten oder – was hier auf dasselbe hinausläuft – den Verhaltensweisen wildlebender Affenhorden. Ein- bis zweijährige Schweinsaffenkinder werden im Dschungel gefangen und dicht beim Haus des Dompteurs angeleint. Zunächst verschafft sich der Mensch mit ähnlichen Mitteln Respekt, die auch ein Affenboß anwendet: mit Schlägen, Strangulieren am Halsband und Drohungen.

Fühlt sich das Makakenkind auf diese Weise wieder wie im Urwald zu Hause, kann die eigentliche Dressur beginnen. Die Schwierigkeit besteht darin, dem Tier verständlich zu machen, was es tun soll. Carl Hagenbeck hat zwar schon um 1880 die „humane“ Methode entwickelt, die schnell zum Ziel führt, weil das Tier durch Belohnung des richtigen Verhaltens leicht versteht, was von ihm gewünscht wird. Aber das hat sich bis Thailand noch nicht herumgesprochen. So werden die Affen dort in langwieriger Prozedur für alle möglichen Fehler bestraft, bis sie kapiert haben, daß sie nur das tun dürfen, was straffrei bleibt.

In der ersten Lektion werden die tierischen Lehrlinge darauf gedrillt, Kokosnüsse so lange herumzudrehen, bis sie den zusammengezwirbelten Stiel leicht durchbeißen können. Dann werden ihnen Kommandos beigebracht wie „Auf den Baum steigen!“, „Noch höher!“, „Mehr nach links!“, „Nicht diese Nuß!“, „Mehr von dieser Sorte!“, „Springe zum nächsten Baum!“, „Komm herunter!“ und andere mehr.

Als Kommandos gelten Worte der thailändischen Sprache, hauptsächlich aber Ruckzeichen mit der Leine. Fortgeschrittene Affen beachten aber später diese Kommunikationsweisen nicht mehr, sondern greifen wieder auf das Verständigungsmittel zurück, das unter ihresgleichen am gebräuchlichsten ist: Sie reagieren auf den Gesichtsausdruck ihres Herrn;

Zuletzt lernen die Tiere, verschiedene Reifegrade der Kokosnüsse zu unterscheiden. Im Plantagenbetrieb werden einmal mehr und einmal weniger reife Früchte benötigt. So bekommt jeder Affe morgens früh vor Arbeitsbeginn eine genaue Auswahl-Instruktion für den Tag.