Protest der nordrhein-westfälischen Bischöfe gegen das Schulgesetz des Landes, dessen neue Hauptschule gegen alle nur denkbaren Konventionen verstoßen soll. Viele Argumente scheinen direkt aus einer Broschüre bezogen, die vom Paderborner Generalvikariat veröffentlicht worden ist: „Für den Fortschritt – Gegen Bekenntnisschule ?“ Wir wollen diese Schrift daher vorstellen. Wer sich umfassend informieren will, sei auf eine zweite, ebenfalls vor kurzem erschienene Broschüre verwiesen: „Gemeinschaftsschule – Auftrag des Grundgesetzes“. Abgedruckt ist da ein juristisches Gutachten, das im Auftrag des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes e. V. erstellt wurde von dem Erlanger Ordinarius für öffentliches Recht und Kirchenrecht, Professor Dr. Klaus Obermayer. Dieses Gutachten kommt zu dem bemerkenswerten Schluß: „Unter dem Gesichtspunkt staatlicher Erziehungs- und Bildungspolitik erscheint der Fortbestand öffentlicher Bekenntnisschulen nicht unbedenklich, da der bekenntnisneutrale Staat überfordert ist, wenn er einen bestimmten Bekenntnisstand öffentlicher Schulen gewährleisten soll. Es sprechen wichtige Gründe dafür, die Gemeinschaftsschule nicht nur als Regelschule, sondern als einzigen staatlichen Schultyp gesetzlich zu verankern

Im Januar dieses Jahres erschien die Broschüre mit dem Titel: „Für den Fortschritt – Gegen Bekenntnisschule?“ Der Verfasser ist unbekannt. Das erzbischöfliche Generalvikariat Paderborn hat die Schrift herausgegeben, Erzbischof Lorenz Kardinal Jäger hat das Vorwort unterschrieben und der Schrift guten Erfolg gewünscht.

Der Kardinal, das Generalvikariat und der Autor wollen mit dieser Schrift für die Bekenntnisschule werben, die sie im Seelsorgsbereich von Paderborn bedroht sehen. Das Recht und die Pflicht, seelsorgliche Aufgaben mit Werbeschriften zu unterstützen, sei unbestritten. Doch von einer Autorität wie Kardinal Jäger und von einem Generalvikariat könnte man erwarten, daß Form und Inhalt dem entsprechen, wofür sie werben möchten.

Zunächst hat der anonyme Autor der Broschüre seinen Erzbischof zu einem Vorwort veranlaßt, das eine Zumutung für den Würdenträger ist. Es läßt nämlich die Absicht der Schrift zwiespältig erscheinen. Dem Zweifler an der Qualität der Bekenntnisschule soll das Heft als „Arbeitsgrundlage“ dienen. Den getreuen Befolgern amtlicher Richtlinien wird die gleiche Broschüre als „klares und offenes Wort“ in „deutlicher Sprache“ feilgeboten. Eine unterschiedliche Verwendung kirchenamtlicher Texte war nach dem Konzil nicht mehr üblich. Hier taucht sie wieder auf, mit einem Segen des Kardinals.

Satztechnisch verfährt der Urheber des : Textes im Stil ideologischer und geschäftseifriger Werbetexter. Spruch und Widerspruch verbergen noch nicht einmal mehr im Druckbild die massive Schwarzweißmalerei. Von Seite 3 bis zum Schluß wirken die in Fettdruck hervorgehobenen Textstellen wie Nackenschläge.

Von den nachkonziliaren kirchlichen Verlautbarungen ist man diese Simplifizierung nicht mehr gewohnt. Innerhalb mehrerer Arbeitsgänge wird das Bild des imaginären Feindes bedrohlich ausgemalt. Der Titel „Für den Fortschritt – Gegen Bekenntnisschule?“ verleitet zur Vermutung, daß unter diesem Schlagwort eine Schlachtreihe von Kirchenfeinden sich versammelt hätte, eine Geheimarmee, die zum Kampf gegen Eltern und Freiheit bereitsteht. Nach der Darstellung des anonymen Autors hat zuerst die Presse den Schlachtruf propagiert.

Namen werden nicht genannt. Es heißt lediglich: „In den letzten Jahren hat in großen Teilen der Presse, in Rundfunk und Fernsehen geradezu ein Kesseltreiben gegen die Bekenntnisschule eingesetzt. Dabei wurde immer wieder betont, daß man für den Fortschritt spreche. Was aber ist Fortschritt auf diesem Gebiet? Es gab keine Bekenntnisschule im Dritten Reich; es gibt keine Bekenntnisschule in der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik. Es ist vielmehr ein Kennzeichen derartiger Systeme, nur eine einzige Schulart... vorzuschreiben.“