Mauerloch

K. H., Berlin, im April

Die Berliner Passierscheinstelle für Härtefälle bleibt geöffnet. Vorläufig jedenfalls. Was im Rathaus Schöneberg befürchtet wurde – Ostberlin werde nach dem 31. März die Ausgabe von Passierscheinen einstellen –, ist nicht eingetroffen. Die SED praktiziert Humanität vertraglos weiter – jedenfalls in dringenden Familienangelegenheiten. Das berechtigt zu dem Optimismus, daß die andere Seite das letzte Mauerloch für Berliner zwischen Berlin und Berlin nicht auch noch zubetonierern will.

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Die stillschweigende Verlängerung des Abkommens zeigt zugleich, daß man sich auch in Ostberlin noch nicht einig ist, wie man in der Passierscheinfrage vorgehen soll. Die Entscheidung in der SED wird wohl bis zum Parteitag Mitte April gefallen sein. Dann beginnt eine neue Runde der Verhandlungen. Als Preis für ein langfristiges Abkommen wäre der Westberliner Senat zu Kompromissen bereit. Was der SED angeboten werden kann, muß freilich in der Bonner Koalition entschieden werden. Von ihr erwarten Albertz und Korber klare Richtlinien.

 
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