Vor zwanzig Jahren, am 5. Juni 1947, hat General George C. Marshall, damals Außenminister der USA-Regierung unter Präsident Truman, in einer Rede an der Harvard-Universität dem vom Krieg hart getroffenen Europa die amerikanische Hilfe für den wirtschaftlichen Wiederaufbau angeboten. Auch das zerschlagene Deutschland – das war damals die Sensation – sollte in diese Hilfe einbezogen werden. Marshalls Vorstellungen fanden sich noch im gleichen Jahr in einem Gesetz über das europäische Wiederaufbauprogramm (Europeen Recovery Program – ERP) wieder.

Auf Grund dieses ERP-Programms kamen vom 1. April 1948 bis zum 30. Juni 1952 insgesamt 13,5 Milliarden Dollar nach Westeuropa. Der kommunistische Block schloß sich auf Weisung Moskaus aus. Als erste Hilfslieferung ging am 3. April 1948 ein Frachter mit 9000 Tonnen Weizen an Bord nach Bordeaux ab.

Fast ein Zehntel der Hilfeleistungen – 1,32 Milliarden Dollar oder 5,28 Milliarden Mark – bekam die Bundesrepublik einschließlich Berlin. Im Unterschied zu anderen Empfangsländern sollte Deutschland die Hilfe später voll zurückzahlen. Im Londoner Schuldenabkommen von 1953 wurde diese Schuld jedoch erheblich gekürzt.

Im Gegensatz zu anderen Ländern bildete die Bundesregierung aus den Hilfszahlungen ein Sondervermögen, aus dem Kredite gewährt wurden, die mit Zinsen rückzahlbar waren. Durch diesen revolvierenden Fonds konnte seinerzeit die Wirtschaft entscheidend angekurbelt werden.

Das Schwergewicht der Forderung lag zu Anfang bei der Schwerindustrie, der Energieversorgung und dem Verkehr. Später standen „notleidende Branchen“ im Vordergrund. Heute nutzen die Kredite kleinen und mittleren Gewerbetreibenden sowie jenen Wirtschaftsbereichen, die sich einer veränderten Wettbewerbssituation im In- und Ausland gegenüber sehen, also den strukturschwachen Branchen.

Von den zwanzig Milliarden Mark, die bisher aus dem ERP-Fonds ausgeliehen wurden, flossen sechs Milliarden Mark nach Berlin und zwei Milliarden Mark in die Entwicklungshilfe. Da die Kredite verzinst werden müssen, erhöhte sich das ERP-Vermögen inzwischen auf 8,61 Milliarden Mark. ks.