Im Gegensatz zu vielen Abgeordneten des Düsseldorfer Landtags wächst bei den Unternehmern an der Ruhr die Überzeugung, daß die strukturellen Schwierigkeiten ihres Raumes nur noch durch eine entschlossene Vorwärtsstrategie überwunden werden können. Bundeswirtschaftsminister Schiller findet jedenfalls für sein mutiges Kohleanpassungsgesetz bei den Wirtschaftsbossen mehr Unterstützung als bei seinen Düsseldorfer Parteifreunden.

So möchte die Bergwerksgesellschaft Walsum den Marktanteil der Kohle am Energieverbrauch durch kräftige Preissenkungen verteidigen. Preisrückgänge seien auch ohne neue Subventionen möglich, wenn sich die Kohleförderung auf die leistungsfähigen Zechen konzentriere. Solche offenen Worte hörte man bisher von „Insiders“ nur höchst selten.

Ein gewichtiges Wort zur Besinnung auf die Realitäten hat auch der Vorstandsvorsitzende der Gutehoffnungshütte, Dr. Dietrich von Menges, beigesteuert. Vor der DIHT-Vollversammlung in Berlin meinte er, die deutsche Wirtschaft könne es sich nicht länger leisten, mit ihren Energiekosten wegen des hohen Kohleanteils im europäischen Vergleich an der Spitze zu liegen. Jeder Tag, der für die Energiepolitik ungenützt verstreiche, schwäche die deutsche Wettbewerbsposition.

Wer so etwas vor wenigen Jahren zu äußern wagte, wurde nahezu als Verräter an den Interessen des Ruhrgebiets hingestellt. Heute sollte soviel Einsicht Schiller dazu bewegen, nun erst recht hart zu bleiben und bei der Kohleförderung zum geordneten, aber zügigen Rückzug zu blasen. ks.