Seit dem 9. April beschlagnahmen die Zöllner der Bundesrepublik an den Grenzübergängen bei Reisenden aus Italien sogar Butterbrote, die mit Salami belegt sind. Die Veterinärbeamten in allen westeuropäischen Ländern wurden nämlich von ihren italienischen Kollegen darüber verständigt, daß in der Umgebung von Rom die afrikanische Schweinepest aufgetreten sei. Seitdem zitterten die amtlichen Tierärzte in ganz Europa davor, daß diese Tierseuche auch bei ihnen eingeschleppt werden könnte. Gegen die afrikanische Schweinepest ist die Wissenschaft bis heute machtlos.

Die befallenen Tiere verenden innerhalb kurzer Zeit, ihr Fleisch ist wertlos. Um die Seuche zu bekämpfen, müssen auch schon beim leisesten Verdacht die gefährdeten Viehbestände abgeschlachtet und zunächst mindestens ein halbes Jahr lang auf die Haltung von Schweinen in den betroffenen Stallungen verzichtet werden.

Die möglichen wirtschaftlichen Verluste in Italien mit einer Schweinehaltung von rund 5 Millionen Tieren (Bundesrepublik: 18 bis 20 Millionen) werden auf über 600 Millionen Mark im Jahr beziffert. Bislang wurden in Italien rund 70 000 Schweine abgeschlachtet. Der Export von Salami und Parma-Schinken mußte völlig eingestellt werden. Kein Land will das mit dem Import verbundene Risiko tragen.

Als warnendes Beispiel wird Spanien angeführt, wo die afrikanische Schweinepest bereits vor sieben Jahren ihren Einzug hielt, Sie wurde vermutlich über Marokko und Portugal ins Land getragen. Die Schweinemast mußte in vielen Teilen des Landes eingestellt werden, ganze Dörfer, die von der Schweinezucht lebten, sind von den arbeitsfähigen Männern verlassen worden. Trotz strenger Maßnahmen ist die Seuche bis heute noch nicht erloschen.

Der Erreger, ein noch unbekannter Virus, widersteht jedem bisher bekannten Heilmittel. Die Viren sind zudem äußerst widerstandsfähig. Nur längere Erhitzung auf über 100 Grad Celsius tötet sie zuverlässig ab. Räuchern und Gefrieren tötet ihre Lebenskraft ebenso wenig ab, wie monatelanger Aufenthalt außerhalb der befallenen Tiere. Die Folgen eines Übergreifens auf andere westeuropäische Länder lassen sich kaum ermessen. Sie reichen von hohen Entschädigungen an die Tierbesitzer bis zum Erliegen des Handels und zur Stilllegung ganzer Fleisch- und Wurstwarenfabriken. j. e.