Zu Beginn der Reisesaison 1967 zeigt sich das Jahr des Tourismus von einer bestürzenden Seite: Krieg zwischen Israel und der arabischen Welt, Panzer an Stätten des klassischen Tourismus, Militärdiktatur in Griechenland, Zensur und Willkür, Serien alarmierender Unglücke im Charterverkehr.

Die deutsche Bundesregierung warnt ihre Bürger vor Ferien im Nahen Osten. Washington verbietet Reisen in die Kriegsgebiete und verleidet US-Touristen die Lust an Rußlandreisen. Geschäftsführer Friedrich H. Burger vom Deutschen Reisebüroverband hält es gar für richtig, den deutschen Urlaubsmenschen wegen der undurchsichtigen Haltung der Russen vom Badeurlaub am Schwarzen Meer abzuraten.

Tausende von Urlaubern müssen umdisponieren. Der Flugverkehr nach Ostafrika hatte sich durch das Verbot von Zwischenlandungen in den arabischen Ländern erheblich erschwert. Schon befürchteten die Gesellschaften den drohenden Umweg über die Kanarischen Inseln. Da gestattete der Sudan die Landungen in Khartum. Stoßseufzer eines Mannes vom Fach: „Jetzt muß nur noch ein Erdbeben auf Mallorca kommen...

Die Reiseunternehmen zogen ihre Konsequenzen. Abgesagt wurden alle Reisen nach Ägypten, Israel, Jordanien und in den Libanon. Die Kreuzfahrtenschiffe liefen Ausweichhäfen an – Kusadasi, Ismir, Istanbul, Mykonos, Rhodos statt Alexandria, Haifa und Beirut. Scharnow sagte Reisen nach Algerien zunächst bis zum 21. Juli ab, vielleicht nicht ungern, weil das Land neu im Programm war und nicht den erhofften Erfolg zu versprechen schien.

Tunesien wünscht von der eigenen parteiischen Haltung touristisch nicht betroffen zu werden. Der tunesische Botschafter in Bonn formulierte in aller Eile Beschwichtigungstexte dieser Art: „Deutsche Touristen sind weiterhin im Lande willkommen und ihnen wird absolute Ruhe garantiert...“ Sehr zur Zufriedenheit wiederum der Touristikunternehmer, denn Tunesien ist ein begehrtes Ziel europäischer Chartermaschinen. Selbst am Tage des Kriegsausbruchs wurden die Flugketten nicht unterbrochen.

Trotz der dunklen Wolken am Ferienhimmel über dem Mittelmeer blicken die Reiseveranstalter optimistisch in den Sommer, beflügelt von den Nachrichten über die militärischen Erfolge der Israelis und angenehm überrascht vom Gleichmut der Urlauber, die, machte man es ihnen nur schmackhaft, möglicherweise auch zur Hölle führen. Scharnow will die Reisen nach Algerien am 21. Juni wieder aufnehmen. Neckermann, noch optimistischer, plant bereits eine Woche früher wieder Flüge in den Libanon.

Die Reiseunternehmer glauben Anzeichen dafür zu erkennen, daß sie nach den kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten Israel-Programme verkaufen werden wie noch nie.

Vielleicht mausert sich das Jahr doch noch zu einem richtigen Jahr des Tourismus. Schlimmstenfalls kann man ja die Äußerung des Geschäftsführers Burger so verstehen, wie sie gewiß gemeint war, und zum Wohle Deutschlands zerrütteter Finanzen zu Hause bleiben. D. Z.