Die Sowjets möchten ihr Erdgas in alle Welt verkaufen. Sie verhandeln mit Italien, Österreich, Frankreich und Japan über umfangreiche Gaslieferungen. Die Förderung soll in diesem Jahr schon 160 Milliarden Kubikmeter betragen und bis 1970 auf 240 Milliarden steigen. Die Erdgasvorräte des Landes wurden von den Sowjets mit 60 000 Milliarden Kubikmetern angegeben – zehnmal mehr als westliche Experten bisher angenommen hatten. Die Sowjetunion deckt heute schon fast 18 Prozeit ihres Energiebedarfs mit Erdgas.

Das Eidgas gewinnt auch in Deutschland als Grundenergie immer mehr an Bedeutung. Doch erst die Jahre bis 1975 werden endgültig zeigen, ob und wie sich diese relativ junge Energie in den umkämpften deutschen Energiemarkt einfügen läßt. An russische Lieferungen wird hier allerdings vorerst nicht gedacht. Das europäische Erdgasnetz ist noch im Aufbau, und die wesentlichen Grundlagen für die Umstellung von Stadtgas auf Erdgas sind noch lange nicht überall geschaffen.

Die Hauptabnehmer werden in der Bundesrepublik die großen Versorgungsunternehmen sein. Sie werden darüber entscheiden, ob die Konsumenten in Zukunft mit Kohle, Strom, Erdöl oder eben Gas heizen und kochen werden. Ohne echte Preisvorteile gegenüber den traditionellen Wärmeenergien wird allerdings niemand die teuren Umstellungskosten tragen wollen.

Bisher ist die große Erdgasleitung von dem niederländischen Felderc bis nach Krefeld, Duisburg-Hamborn und Wuppertal fertiggestellt. Auch die Leitung aus dem Dollart-Gebiet (Enz-Mündung) nach Hamburg ist fertig.

1966 war das Erdgas in der Bundesrepublik mit 1,5 Prozent am Primärenergieverbrauch beteiligt. Der Anteil, so schätzen die Fachleute, wird bis 1975 auf 7 Prozent steigen. Bevor es jedoch so weit ist, wird die Gaswirtschaft noch rund 5 Milliarden Mark in den Transport, die Verteilung und die Lagerung des Erdgases investieren müssen. rod