Wer die Nerven verlor, zahlte drauf. In den ersten Tagen der Nahost-Krise versuchte ein großer Teil der Heizölverbraucher sich mit zusätzlichen Vorräten zu versorgen. Die Zusicherung der Heizölanbieter, daß wegen der hohen Vorräte Angstkäufe unsinnig seien, konnten nicht verhindern, daß sich viele. Verbraucher trotz der stark anziehenden Preise einzudecken versuchten.

Während in der Woche vor Beginn des Krieges in Nahost. die Preise je 100 Liter leichtes Heizöl zwischen 9,10 Mark und 9,80 Mark lagen, zogen sie innerhalb weniger Tage teilweise bis auf über 11 Mark an. Bereits gegen Ende der Woche beruhigten sich die Preise aber wieder.

An den Aktienbörsen war. die Krisenstimmung ebenfalls nur von kurzer Dauer. Die deutschen Aktienkurse, die bei Ausbruch des Krieges leicht gefallen waren, hatten sich am Wochenende schon wieder erholt. Sie lagen sogar leicht über dem Stand des vorhergehenden Wochenendes. Auch die New Yorker Börse hatte sich nach starken Kursstürzen am Wochenende sehen wieder erholt. Die Käufer zeigten sich von ungünstigen Nachrichten über die Lage der amerikanischen Wirtschaft und der Gefahr eher Kreditverknappung stärker beeindruckt als von den Nahost-Meldungen.

An den Goldmärkten konnten sich die Haussespekulanten nicht durchsetzen. In London ermäßigte sich gegen Ende der Woche der Preis für die Unze Feingold schon wieder leicht, und in der Bundesrepublik waren die Preise für Goldmünzen wieder rückläufig. Nur bei Barrengold wurde zunächst der erhöhte Abgabepreis festgehalten. An den Rohstoffmärkten brannten auch nur Strohfeuer. Die teilweise kräftigen Aufwärtsbewegungen der Kupfer-, Blei- und Zinkpreise fanden schon nach drei Tagen ein Ende. Die reichlichen Vorräte bei den meisten Metallen sorgten für eine rasche Beruhigung.

Angstkäufe der privaten Verbraucher wurden in der Bundesrepublik nur vereinzelt und kurzfristig festgestellt. Lebensmittelhorte spielten kaum eine Rolle. In dieser Beziehung verlief die Nahost-Krise ruhiger als alle anderen Nachkriegskrisen. mj.