Theodor Heuss: Schwaben. Farben zu einem Porträt. Rainer Wunderlich – Verlag, Tübingen, 211 S., 18,80 DM

Es geht nicht um große Gegenstände oder feierliche Anlässe bei diesen knappen Reden und Aufsätzen, die zwischen 1907 und 1962 entstanden sind, sondern um Gestalten der schwäbischen Geschichte, Kultur und Wirtschaft. Es wird vom Wein und von der Küche gesprochen, von der schwäbischen Heimat. Aber keine zwei Zeilen kann man lesen, ohne sich an den sonoren Baß des ersten Bundespräsidenten zu erinnern, ohne hinter aller Gemütlichkeit und schwäbischen Bonhommie zu spüren, wie klar die Akzente gesetzt, die Maßstäbe im Auge behalten werden.

Heuss spricht hier meist als Kenner weitverzweigter und vergessener historischer Zusammenhänge, die er beiläufig und mit kennerischem Genuß darzulegen versteht, aber er distanziert auch – durchaus ohne Respekt, und wenn es sein muß, mit kritischer Schärfe.

Freilich muß man zu lesen verstehen, denn der Stil des Theodor Heuss ist zwar kraftvoll und klar, aber vom humanistischen Denken geformt, also voller Nebensätze, Anspielungen, Parenthesen, in denen der Autor seine Reichtümer unterbringt. Wer die Anfänge der deutschen Bundesrepublik nach 1949 miterlebt hat, wird sich jedoch dem Reiz dieser schwäbischen Plaudereien nicht entziehen können und Theodor Heuss nachdenklich Reverenz erweisen.

H. D.