An der Börse sind die Scharten des Nahost-Krieges ausgewetzt. Die Aktienkurse stagnieren wieder auf dem Stand vor dem offenen Ausbruch der Krise. Es sieht so aus, als sei man an den Wertpapiermärkten wieder zur Tagesordnung übergegangen. Doch dieser oberflächliche Eindruck trügt. Potente Wertpapieranleger, auch der Berufshandel, halten sich nämlich weiter zurück. Denn die politischen Spannungen sind ja mit dem Ende des Blitzkrieges nicht ausgeräumt; sie mahnen weiter zur Vorsicht. So ist das Geschäftsvolumen am Aktienmarkt während der letzten Tage wieder stark geschrumpft. Obwohl jetzt neue Anregungen fehlen, bewegen sich die Kurse kaum.

Erstaunlich wenig wurde die Börse von dem Streit um das künftige Schicksal der GBAG berührt. Der Kurs dieses Papiers geriet zwar etwas unter Druck, nachdem die Verhandlungen zwischen der Dresdner Bank und Bonn wegen der Übernahme einer Schachtelbeteiligung durch den Bund geplatzt waren. Doch hätte man noch vor kurzem erwartet, daß ein solches Ereignis zu einem starken Kurseinbruch führen würde.

Am Rentenmarkt haben sich die Kurse in den letzten Tagen zwar ganz gut gehalten, doch ist die Verfassung nicht ganz so günstig, wie sie der Kurszettel widerspiegelt. Das konnte man deutlich bei Auflegung der Bremen-Anleihe sehen, die am Montag noch mit einer Bonifikation von 7/8 bis 5/8 Prozent unter Banken gehandelt wurde, obwohl die Unterbringung einer 50-Millionen-Anleihe eigentlich keine großen Schwierigkeiten bereiten dürfte. Aber der Rentenmarkt droht wieder einmal überfüttert zu werden. W. P.