Erster Tag

Am Montagmorgen, um sieben Uhr, holte Israels Luftwaffe zum entscheidenden Schlag gegen Ägypten aus: Mirage- und Mystere-Maschinen starteten auf den Flugplätzen rund um Tel Aviv und flogen in 150 Meter Höhe weit übers Mittelmeer, um dem ägyptischen Radarnetz auszuweichen. Dann kurvten sie westlich Alexandrien auf feindliches Gebiet ein und steuerten im Langsamflug fünfzehn Flugplätze an. Mit Splitterbomben, die anscheinend selbständig ihr Ziel fanden, 30-mm-Zwillingskanonen und Raketen zerfetzten sie die reihenweise aufgestellten ägyptischen Flugzeuge.

Die jordanische Radarstation Ajlun verkannte die israelische Kriegslist: Von Höhenzügen behindert, konnte sie die Maschinen erst weit über dem Mittelmeer ausmachen, als sie bereits einen südwestlichen Kurs eingeschlagen hatten. Ajlun meldete: Britische Flugzeuge greifen Ägypten aus Richtung Zypern an. Das Gerücht von einer anglo-amerikanischen Intervention in den Orientkrieg war geboren.

In Wirklichkeit eroberten die Israelis die Luftherrschaft über den Nahen Osten aus eigener Kraft. Die Bilanz des ersten Tages: 280 ägyptische Flugzeuge am Boden zerstört, 20 abgeschossen, 52 in Syrien vernichtet, 20 in Jordanien und eine unbekannte Zahl von Maschinen im Irak.

Die Erdkämpfe eröffnete Israel am Montag 7 Uhr 15 mit einem massiven Angriff auf den Gaza-Streifen, um für die geplanten Operationen weiter südlich auf der Sinai-Halbinsel die nordwestliche Flanke freizumachen. Nach einem vorbereitenden Bombardement der Grenzbefestigungen stießen Panzer auf Khan Yunis vor. Eine Marschsäule schwenkte dann nach Süden in Richtung El Arisch ein, um den Gaza-Streifen abzuschneiden. Eine zweite Kolonne rollte die Stellungen in Richtung Gaza auf. Bereits am Abend waren die „Palästinensische Befreiungsarmee“ und etwa zwei ägyptische Divisionen eingekesselt.

Auch an der Jordan-Front fielen die ersten Schüsse. Jordanische Soldaten besetzten um 10 Uhr 22 das UN-Hauptquartier in Jerusalem und sickerten in den israelischen Teil der Stadt ein. Israelische Panzer begannen Jerusalem unter schwerem Artilleriefeuer südlich zu umgehen.

Zweiter Tag