Von Bernd Baehring

Wo alles sich wandelt, kann der Privatbankier nicht stillestehn. Das ist ein schöner platter Satz. Aber so platt, daß er in jeder Beziehung stimmte, ist er auch wieder nicht. „Privatbankier“ ist zweierlei: Bankunternehmer im Wettbewerb – und Welt- und Geldanschauung, die sich nicht wandeln läßt.

Er ist Urtyp des Bankleiters. Bis in das 19. Jahrhundert hinein gab es nur ihn, und sein – außerhalb der Provinz – oft fürstlicher Habitus wies ihn als das aus, was er auch heute noch ist: Anpassungsfähig und selbstbewußt. Der Bankier, mag er uns inzwischen als Vorstandsmitglied einer Aktienbank, als persönlich haftender Gesellschafter einer Bank, deren Eigenkapital zum größten Teil von Kommanditaktionären oder von als Kommanditisten gewonnenen Geschäftsfreunden stammt, oder mag er uns als Inhaber einer offenen Handelsgesellschaft beziehungsweise Einzelfirma gegenübertreten – der Bankier ist ein zum Kompromiß prädestinierter Unternehmer.

Sehr harte Auseinandersetzungen sind innerhalb seines Bereichs oder aus diesem Bereich heraus nach außen selten. Die Bereitschaft zum Arrangement überwiegt den Kampftrieb. Das ist ein in Jahrhunderten gewachsenes Phänomen. Kampf „bis zum Letzten“ würde den Einsatz des gesamten, über Generationen sorgfältig gehegten und gemehrten Familienvermögens bedeuten – und des zum großen Teil aus Kommandit-Einlagen, das heißt fremdem Eigentum bestehenden Bankvermögens. Das mahnt ihn mehr als den industriellen Unternehmer zur Vorsicht, zum Kompromiß. Nichts schätzt der Bankier höher als Ausgewogenheit (der Bilanzen und der Charaktere – auch bei seinen Kunden).

In Frankfurt wie in Elsfleth

Der Privatbankier hat es heute oft schwer, sich zu arrangieren – mit der Gesellschaft, in der die Massen immer schneller reich werden, mit den großen Aktienbanken, den Sparkassen, dem Steuerfiskus und den eigenen Kommanditisten, jedenfalls soweit diese als Familienmitglieder im Wege der Erbteilung in das Geschäft hineingeraten sind. Seine Lage ist auf dem flachen Land, wo ihn neben den Sparkassen auch Genossenschaftskassen bedrängen, schwieriger als an den Börsenplätzen, die ihm Entwicklungsmöglichkeiten in seiner Domäne, dem Wertpapiergeschäft, bieten.

Der „Privatbankier“ reicht vom Effektenkommissionär und Börsenhändler in privaten Beständen bis zur Universalbank mit über einer Milliarde Mark bilanzierten! Geschäftsvolumen, vom hochgeschlossen, der breiten Öffentlichkeit kaum bekannten, Privathaus bis zum Bankgebäude an der Ecke mit Schalterhallen, vom Einzelunternehmer bis zur Aktien(kommandit)gesellschaft, die keine Familien mehr kennt. Er wohnt in Frankfurt, München und Düsseldorf, aber auch in Elsfleth und Hammelburg. Es gibt ihn – laut Bundesbankstatistik – 197mal, und unter den 56 Kreditbanken mit über einer halben Milliarde Mark Geschäftsvolumen sind drei Privatbankiers. Aber die Privatbankiers arbeiten überdurchschnittlich stark im Wertpapierhandel, im Wertpapier-Emissionsgeschäft und in der Außenhandelsfinanzierung. Ihr Geschäftsvolumen befindet sich weitgehend außerhalb ihrer Bilanzen.