Die Minenexplosionen an der österreichisch-italienischen Grenze im Sextental, bei der vier italienische Soldaten getötet wurden, erschütterten die politischen Beziehungen zwischen Wien und Rom: Die italienische Regierung ist entschlossen, die Assoziierung Österreichs an Montanunion und EWG zu blockieren. Es sei denn, Wien finde Mittel und Wege, Terroranschläge in Südtirol zu unterbinden.

Staatspräsident Saragat sprach von einem „grausamen Verbrechen“, das düstere Zeichen des Nazismus erkennen lasse. Und italienische Zeitungen machten die verschiedenen Freisprüche in den sogenannten „Südtirolprozessen“ – zuletzt im Fall des ehemaligen Innsbrucker Universitätsassistenten Norbert Burger – für die jüngsten Minenexplosionen verantwortlich.

Auf der Konferenz der Montanunion in Luxemburg konnte der deutsche Delegationschef Neef nur mit Mühe verhindern, daß eine Erklärung Italiens über seine politischen Beziehungen zu Österreich auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Das Thema soll nun vor dem Europäischen Minsterrat in Brüssel behandelt werden, wo Rom ein Veto gegen Österreichs Anschluß an die EWG einlegen will.

Inzwischen wich in Wien die anfängliche Erschütterung über den Tod der vier Soldaten einer wachsenden Empörung über den Österreich-feindlichen Kurs Fanfanis. Das „Volksblatt“, Organ der ÖVP, witterte dahinter den Versuch, Österreich eine Südtirollösung nach italienischem Geschmack aufzuzwingen. Das Blatt forderte die Wiener Regierung auf, „diesen Kuhhandel nicht mitzumachen, sondern sich an die Weltöffentlichkeit zu wenden“.